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APA-Artikel 28. November 2013

CH: Ständerat diskutiert kleine Revision des Transplantationsgesetzes

Jedes Jahr sterben in der Schweiz Dutzende von Menschen, weil es an Spenderorgan fehlt. Der Ständerat hat am Donnerstagmorgen die Debatte über die Änderung des Transplantationsgesetzes aufgenommen. Mehr Hoffnung dürfen sich die Patientinnen und Patientinnen auf der Warteliste deswegen nicht machen.

1165 Personen warteten gemäss den Zahlen der Stiftung für Organspende und Transplantation Swisstransplant Ende letzten Jahres auf ein Spenderorgan. Drei Viertel von ihnen benötigten eine neue Niere, andere eine Leber, eine Lunge, ein Herz oder ein anderes Organ.

Bei 453 Patienten wurde im Lauf des Jahres 2012 eine Transplantation durchgeführt, 53 starben auf der Warteliste. Die tatsächliche Zahl der Opfer des Organmangels ist nicht bekannt: Wer bereits zu krank ist für eine Transplantation, wird von der Liste gestrichen.

Es fehlt in der Schweiz an Organen, und es werden laufend weniger. Nur 12 von einer Million Einwohnern werden hierzulande zu Organspendern. In den Nachbarländern liegt die Rate mit 23,3 Spendern fast doppelt so hoch. Dort gilt die in der Schweiz umstrittene Widerspruchslösung: Organe werden nach dem Tod automatisch entnommen, sofern es der Verstorbene nicht ausdrücklich anders bestimmt hat.

Gestützt auf einen Bericht der nationalen Ethikkommission ist der Bundesrat zum Schluss gekommen, dass mit der Widerspruchslösung die Persönlichkeitsrechte gefährdet wären. Zudem garantiere das System keine Steigerung der Organspenderate, schreibt er in der Botschaft zum Transplantationsgesetz.

Er lehnt daher die Einführung der Widerspruchslösung ab. Stattdessen kündigte er im März das Programm "Mehr Organe für Transplantationen" an, das sich an Programmen wie in Spanien oder den USA orientiert. Kernpunkte sind Koordinationspersonen auf allen Ebenen, verbindliche Spendenprozesse in allen Spitälern, der Aufbau einer nationalen Stelle sowie die Information der Bevölkerung.

Die Gesundheitskommission (SGK) des Ständerats unterstützt diesen Kurs mehrheitlich. Sie lehnt eine Motion aus dem Nationalrat ab, die einen Wechsel von der heute geltenden Zustimmungslösung zur Widerspruchslösung verlangt. Der Nationalrat hat den Vorstoss mit grosser Mehrheit angenommen, der Ständerat stimmt heute darüber ab.

Zuvor berät die kleine Kammer aber über die vom Bundesrat vorgelegte Revision des Transplantationsgesetzes. Eine Minderheit möchte die Widerspruchslösung gleich im Rahmen dieser Vorlage durchsetzen.

Die weiteren vom Bundesrat vorgeschlagenen Änderungen sind unbestritten. So sollen in der Schweiz versicherte Grenzgängerinnen und Grenzgänger künftig bei der Zuteilung von Organen nicht mehr benachteiligt werden. Zudem sollen die engsten Angehörigen bereits wegen einer Organentnahme angefragt werden dürfen, sobald entschieden ist, dass die lebenserhaltenden Massnahmen abgebrochen werden.

Ebenfalls geregelt wird, wann bei urteilsunfähigen Spendern eine Organentnahme vorbereitet werden darf. Bei Todesfällen im Spital aufgrund schwerer Hirnschädigung soll die bereits begonnene Beatmung über den Hirntod hinaus weitergeführt und der Kreislauf stabilisiert werden, so dass die Organe bis zur Entnahme durchblutet werden.

Auch die finanzielle Absicherung von Lebendspenderinnen und -spendern wird geregelt: Die Versicherer müssen die Kosten für die Nachsorge als einmalige Pauschale in einen Fonds einzahlen. Die SGK empfiehlt die Vorschläge des Bundesrats unverändert zur Annahme.

apa.at

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