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APA-Artikel 25. November 2013

Medizin darf nicht zum "Callcenter" werden

Der deutsche Medizinethiker und -historiker Professor Giovanni Maio aus Freiburg warnt vor allzu starken ökonomischen Einflüsse auf die Medizin und vor einem "medizinischen Kundencenter", in der supermarkt-ähnlich "Angebote befriedigt werden". Hingegen sollen Zuwendung, Zeit, Engagement und Wertschätzung bei der medizinischen Betreuung im Vordergrund stehen, forderte Maio in seiner Rede im Rahmen der zwölften "Kongresstage der Vinzenz Gruppe". Rund 300 Medizinerinnen und Mediziner kamen vom 22. und 23. November 2013 im Orthopädischen Spital Speising zusammen, um über die aktuellen Trends in der Orthopädie zu diskutieren.

Das Prinzip, den Menschen in seiner Gesamtheit zu sehen, entspricht auch dem Motto der Vinzenz Gruppe: Medizin mit Qualität und Seele. Offenbar ist dies auch ein Grund, weswegen sich ein nennenswerter Anteil der orthopädischen Patientinnen und Patienten in Krankenhäuser der Vinzenz Gruppe behandeln lässt: In Oberösterreich sind es 30 Prozent (nämlich in den Krankenhäusern der Barmherzigen Schwestern in Linz und in Ried), in Wien mehr als 40 Prozent (im Orthopädischen Spital Speising, im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern und im Herz-Jesu-Krankenhaus).

Orthopädische Behandlungen sind in Österreich aber generell sehr gefragt. Laut Eurostat erhalten hierzulande 16.240 Personen pro Jahr ein neues Knie, sowie 19.840 eine künstliche Hüfte* - und somit mehr als im EU-Durchschnitt; der Trend zeigt dabei eindeutig nach oben.

Auch das Alter jener Patienten, die sich orthopädisch behandeln lassen, steigt drastisch. Laut Daten aus dem Orthopädischen Spital Speising ist der Anteil der über-80-jährigen Patienten, die sich einer Wirbelsäulen-OP unterziehen, in den vergangenen zehn Jahren von sieben auf 13 Prozent gestiegen. Das Durchschnittsalter der Patientinnen und Patienten ist dabei von 56 auf 63 Jahre gestiegen.

Fachliche Trends und Standespolitik

Die fachlichen Themen an der Tagung spannten sich von der Hüft- und Knieprothetik (hier wurden etwa neue OP-Navigationsmethoden vorgestellt), über die Wirbelsäulenchirurgie bis hin zur Kinder- und Jugendorthopädie sowie zur "Konservativen Orthopädie" - also der orthopädischen Behandlung ohne Operation. "Die Vielfalt der Themen zeigt auch eines: Es geht heutezutage nicht ohne Spezialisierung in Sub-Fächern", sagt Univ. Prof. Dr. Martin Dominkus, Tagungspräsident und Vorstand der Abteilung für Hüft - und Kniegelenksersatz im Orthopädischen Spital Speising.

Auch die standespolitische Bedeutung der Orthopädie zeigte der Präsident der Österreichischen Gesellschaft der Orthopädie - Univ. Prof. Dr. Stefan Nehrer - in seiner Ansprache über die Zukunft der Orthopädie auf: In Österreich ändert sich 2015 nämlich das Ausbildungscurriculum für Orthopäden: Dann wird es eine gemeinsame Ausbildung für Orthopäden und Unfallchirurgen geben - und somit auch einen gemeinsamen Facharzttitel. In der Europäischen Union ist übrigens Österreich und derzeit noch Ungarn das einzige Land, in dem diese Fächer noch getrennt sind.

*laut Eurostat Health Data 2012, Statistik pro 100.000 Personen, hochgerechnet auf 8 Mio. Einwohner

apa.at

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