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APA-Artikel 19. November 2013

Tag der Kinderrechte: Ärztekammer fordert kindgerechte Rehabilitation

In Österreich bräuchten laut Experten jährlich rund 4000 bis 6000 Kinder und Jugendliche Rehabilitationsmaßnahmen. "Tatsächlich gibt es gerade einmal 52 Kinder-Reha-Betten und auch die sind auf Monate hin ausgebucht", stellte ÖÄK-Vizepräsident Johannes Steinhart in einer Aussendung anlässlich des Tages der Kinderrechte am 20. November fest. "Wir haben einen fundierten, vom Ministerium abgesegneten Reha-Plan, wir haben die Bereitschaft der Sozialversicherung, ihren Anteil zu finanzieren. Und wir haben - einmal mehr - die Totalblockade der Länder", so Steinhart zu der Ende Oktober verkündeten Entscheidung der Landesfinanzreferenten, sich nicht an der Finanzierung von vier geplanten Kinder-Reha-Zentren zu beteiligen.

Rehabilitationsbedürftige Kinder haben eine schwere, oft lebensbedrohliche Krankheit hinter sich oder brauchen Unterstützung, damit sie trotz einer angeborenen Behinderung oder einer anderen schweren Beeinträchtigung ihr Leben meistern können. Noch im Sommer sei man zuversichtlich gewesen, erklärte der federführende ärztliche Verhandler und Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ), Professor Reinhold Kerbl. "Wir kämpfen seit 14 Jahren auf Basis von Zahlen und Fakten für den Aufbau einer Kinderrehabilitation in eigenen Kinder-Reha-Zentren. Die Weigerung der Länder, ihren Teil zur Finanzierung beizutragen, ist daher für Tausende Betroffene ein Schlag ins Gesicht", schließlich verändere sich durch die Behinderung oder schwere Erkrankung eines Kindes auch das Leben von Eltern und Geschwistern grundlegend. - "Auch dann, wenn man zu den wenigen gehört, denen die Krankenkasse einen Therapieplatz im Ausland gewährt", so Professor Kerbl. Das "Hin- und Herschieben der Verantwortung" sei nach 14 Jahren nicht länger tolerabel.

Ein Jahr Kinder-Reha = drei Tage Hypo-Alpe-Adria

"Insgesamt geht es um jährlich ca. 30 Millionen Euro. Die Hälfte davon würde durch Steuern und Abgaben sofort wieder ins System zurückfließen. Bleiben also 15 Millionen Euro für ein Jahr Kinder-Rehabilitation - das ist in etwa so viel, wie Österreich alle drei Tage für die Verlustabdeckung der Hypo-Alpe-Adria ausgibt", formulierte Experte Kerbl.

Vor dem Hintergrund dieses Zahlenbeispiels und anlässlich des Tags der Kinderrechte forderte Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart die Ländervertreter auf, "ausnahmsweise einmal das zu tun, was man von Medizinern selbstverständlich erwartet: sich mit der ethischen Tragweite ihrer Entscheidungen zu befassen". Es sei unerträglich, dass rehabilitationsbedürftige Kinder in Österreich oft monatelang in Akutspitälern bleiben müssten, und zwar keineswegs immer auf einer Kinderstation, sondern vielfach inmitten kranker oder gebrechlicher Erwachsener, ohne Spielgefährten oder pädagogische Betreuung. Politiker, die dabei immer noch keine ethischen Zweifel verspüren, seien daran erinnert, dass Österreich die UN-Kinderrechte ratifiziert und in die Verfassung aufgenommen hat. "Kinder haben in diesem Land ein Recht auf bestmögliche Gesundheitsversorgung", so Steinhart abschließend. 

apa.at

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