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APA-Artikel 18. November 2013

Strahlentherapie: Klare Bundesvorgaben, falsch umgesetzt

Die aktuelle Kontroverse darüber, ob es in Österreich genug Strahlentherapiegeräte zur Behandlung Krebskranker gibt oder nicht, beruhe auf widersprüchlichen Festlegungen im Österreichischen Strukturplan Gesundheit (ÖSG), sagte der Obmann der Bundesfachgruppe Radioonkologie-Strahlentherapie in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Robert Hawliczek. "Die klaren Vorgaben des Bundes im ÖSG entsprechen dem aktuellen, in Westeuropa üblichen Standard. Das Problem ist die fehlerhafte Umsetzung im Großgeräteplan, der im selben Dokument enthalten ist", so Hawliczek. Jüngste Aussagen der niederösterreichischen Landeskliniken-Holding, wonach man mit sechs Geräten im Plan sei, sei nach dem fehlerhaften Großgeräteplan korrekt, nach der - westeuropäischen Standards entsprechenden - Vorgabe des Bundes aber völlig unzureichend. Hawliczek: "Erstens wird eines der in Niederösterreich stehenden Geräte vom Burgenland bezahlt und ist daher seriöserweise diesem Bundesland zuzurechnen. Zweitens legt der Bund im ÖSG ganz klar folgende Planungsrichtwerte für Strahlentherapie fest: ein Gerät pro 100.000 bis 140.000 Einwohner. Selbst wenn man die Einwohnerzahl Niederösterreichs durch den höheren Wert, also 140.000, dividiert, ergibt sich ein Bedarf von zwölf Strahlentherapiegeräten." Ungeachtet dessen habe sich Niederösterreich ein Soll von sechs Geräten in seinen Großgeräteplan schreiben lassen. Es sei also kein Wunder, dass 30 bis 40 Prozent der krebskranken Niederösterreicher zur Therapie nach Wien pendeln.

Länderübergreifende Planung auf Basis realer Bedarfszahlen

Insofern würde auch die für Wien geplante Aufstockung auf 14 Geräte die Not der Betroffenen so lange nicht lindern, solange etwa Niederösterreich für seine Bürger nur die Hälfte der benötigten Strahlentherapiegeräte bereitstellt. Eine länderübergreifende örtliche Verteilung von Großgeräten wäre daher absolut sinnvoll. Fasse man Wien, Niederösterreich und das Burgenland zu einer Versorgungsregion von 3,6 Millionen Einwohnern zusammen, ergebe sich ein Bedarf von 26 Strahlentherapiegeräten. Tatsächlich seien es nur 17. "Außer in Salzburg, Tirol und Vorarlberg klafft zwischen dem, was der ÖSG vorsieht, und dem, was sich die Länder in den Großgeräteplan schreiben ließen, eine mehr oder weniger große Lücke", so Radioonkologen-Sprecher Hawliczek.

Gang zum Patientenanwalt ist nicht Priorität von Krebskranken

Besonders die Patientenanwälte der Steiermark, aber auch Kärntens, denen laut eigenen Aussagen keine Beschwerden vorliegen, mögen nachrechnen. Außerdem sei es bedenklich, wenn Patientenanwälte Versorgungsmängel erst dann aufzeigen, wenn sich Patienten beschweren. "Menschen, die ums Überleben kämpfen, haben in der Regel andere Prioritäten", so Hawliczek. Zudem würden viele Ärztinnen und Ärzte allein schon aus ethischen Gründen darauf verzichten, ihre Patienten mit den Folgen langer Wartezeiten zu konfrontieren. "Wir wissen, dass sich die Heilungschancen mit jedem Tag Warten verringern, aber wir können diesen Menschen ja auch keine Alternative bieten", beschreibt Hawliczek das Dilemma. "Nur noch zynisch" sei es, wenn der Bundesminister den bis in die Nacht arbeitenden Krebstherapeuten ausrichtet, sie mögen nicht nur halbtags arbeiten. Besser wäre es, er würde - im Sinne der Patienten - seinen defekten Großgeräteplan reparieren.

apa.at

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