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APA-Artikel 15. November 2013

D: Ausländische Ärzte - erst Sprachtest, dann Zulassung

Ausländische Ärzte verlassen ihre Heimat, um in Deutschland zu arbeiten, wo sie händeringend gesucht werden. Doch bevor die Mediziner hierzulande in Kliniken und Praxen loslegen können, müssen sie in einigen Bundesländern einen Sprachtest bestehen.

Sie kommen aus Rumänien oder Griechenland, und sie werden in Deutschland mit offenen Armen empfangen: Jung-Mediziner, die ihre Heimat hinter sich lassen, um hierzulande Versorgungslücken zu stopfen. Derzeit fehlen Tausende Ärzte in Deutschland. Allein in Krankenhäusern, so schätzt die Bundesärztekammer (BÄK), sind rund 6000 Medizinerstellen unbesetzt.

Ärzte aus dem Ausland wie Maria Aetou aus Griechenland freut das: "Ich nutze den Ärztemangel in Deutschland aus." In den nächsten sechs Jahren wird die 24-Jährige in Freiburg zur Pneumologin ausgebildet. In Griechenland hätte sie mehrere Jahre auf einen Ausbildungsplatz zur Fachärztin für Lungenkrankheiten warten müssen. Und auch mit Regen und Schnee in Deutschland kommt die junge Frau aus der griechischen Küstenstadt Volos inzwischen zurecht.

Doch bevor Aetou eine Zulassung als Ärztin in Baden-Württemberg bekommt, muss sie einen Sprachtest bestehen: die sogenannte Patientenkommunikationsprüfung. Diese wurde 2011 am Uniklinikum Freiburg ausgearbeitet und eingeführt.

Hintergrund war die Tatsache, dass Ärzte aus dem Ausland bis Mitte 2011 nur allgemeinsprachliche Kenntnisse des Niveaus B-2 vorweisen mussten, um im Südwesten arbeiten zu dürfen. Zum Vergleich: In den meisten Bundesländern reicht das B-2-Level für ein Germanistikstudium aus.

"Die Kommunikation mit Patienten und Ärzten ist etwas komplett anderes, als im Supermarkt einzukaufen", sagt Oliver Erens, Sprecher der Landesärztekammer Baden-Württemberg. Seit Jahren fordert er höhere Hürden bei Sprachtests für Mediziner aus dem Ausland. Lediglich in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Thüringen müssen ausländische Mediziner zum normalen Sprachtest eine spezielle Kommunikationsprüfung bestehen.

Im Juni sprachen sich die Ländergesundheitsminister für einheitliche Sprachtests aus. Diese sollen für akademische Heilberufe - also auch Zahnärzte, Apotheker und Psychotherapeuten - gelten. Derzeit loten die Bundesländer Rahmenbedingungen aus, etwa die Schwierigkeit der Prüfung. Läuft alles nach Plan, könnten Mitte 2014 bundesweit einheitliche Sprachtest zur Pflicht werden.

Die Freiburger Prüfung besteht im Wesentlichen aus einem simulierten Gespräch zwischen dem Anwärter, einem (gespielten) Patienten und einem fiktiven Oberarzt. "Ziel ist es, dass der Patient den Arzt versteht und andersherum", erklärt Neurochirurg Nabeel Farhan, der die Patientenkommunikationsprüfung mitentwickelt hat. Zudem müsse ein Arzt in der Lage sein, einem Kollegen eine Zusammenfassung des Patientengesprächs zu liefern. "Häufig kommen entscheidende Details nicht beim Oberarzt an. Dann kann es zu Behandlungsfehlern kommen."

Gespielt wird eine Situation, wie sie täglich tausendfach in Krankenhäuser vorkommt: Der Arzt erhebt die Krankengeschichte des Patienten und stellt diese dem Oberarzt vor. In einem Fachgespräch unter Kollegen wird dann etwa die Medikation besprochen. Die Schwierigkeit: Einerseits müssen die Prüflinge in einfach verständlicher Sprache mit dem Patienten sprechen können, andererseits kurz darauf in Fachsprache mit dem Oberarzt.

Die in Freiburg entwickelte Kommunikationsprüfung wird inzwischen an Kliniken in acht Bundesländern anerkannt und kann derzeit an vier Unikliniken in Baden-Württemberg sowie in Frankfurt am Main, Mainz und Jena absolviert werden. Läuft alles nach Plan, könnten sich mit der Einführung der bundesweit einheitlichen Sprachtests mindestens neun weitere Unikliniken dem Freiburger Modell anschließen.

Vier Wochen lang besucht Maria Aetou einen speziellen Sprachkurs am Freiburger Goethe-Institut, der sie auf den Kommunikationstest vorbereiten soll. "Kittel", "Faden" oder "Skalpell" hat sich die Griechin in ihr Vokabelheft geschrieben. Bis zur Prüfung heißt es auch Grammatik büffeln. Besteht Aetou den Test, steht ihrer Zukunft als Ärztin in Baden-Württemberg nichts mehr im Wege. An das Wetter hat sich die sonnenverwöhnte Griechin ja bereits gewöhnt.

apa.at

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