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APA-Artikel 8. November 2013

Medikamentenabgabe bei Spitalsentlassungen noch immer unbefriedigend gelöst

"Die Medikamentenabgabe bei Spitalsentlassungen ist nach wie vor unbefriedigend gelöst, vor allem am Wochenende", so MR Dr. Dietmar Baumgartner, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte der NÖ Ärztekammer. "Die Patientinnen und Patienten bekommen in der Regel keine Rezepte, sondern Entlassungsbriefe mit Vorschlägen für eine medikamentöse Therapie. Diese sind aber nicht mit den Krankenkassen verrechenbar", beklagt sich der Chef der niedergelassenen Ärzte in Niederösterreich.

So gibt es derzeit eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder der Patient bezahlt den Privatpreis der Medikamente oder der Apotheker gibt das Medikament unentgeltlich und vor allem ohne Rezept aus, was eigentlich sogar verboten ist. Dann bleibt ihm allerdings nur die Hoffnung, dass das Medikament auch von der Kasse bewilligt wird, was leider nicht selbstverständlich ist. "Von uns niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten im Wochenendnotdienst kann man auch nicht verlangen, dass sie ihre kostbare Zeit zum Umschreiben der Entlassungsbriefe auf Rezepte vergeuden", ist Dr. Baumgartner überzeugt.

Ökonomierichtlinien machen Sinn, müssen aber im ganzen System identisch und verbindlich gelten

Das eigentliche Problem beginnt jedoch früher, weiß Dr. Christoph Reisner, Präsident der NÖ Ärztekammer: "Während alle Ärztinnen und Ärzte mit Kassenvertrag zur ökonomischen Verschreibung verpflichtet sind und diese auch vorbildlich durchführen, sind die Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern an Medikamente gebunden, die von den Spitalsapotheken beschafft werden." Diese sind jedoch groteskerweise nicht den gleichen Ökonomierichtlinien verpflichtet, die im niedergelassenen Bereich gelten. "Das führt dazu, dass eben teure Medikamente zur Erstverschreibung an Spitäler verschenkt werden, die dann auch im niedergelassenen Bereich weiterverordnet werden müssen, weil es medizinisch nicht mehr anders geht", so der Ärztekammerpräsident.

Die Folge sind benötigte chefärztliche Bewilligungen, die aber nicht am Wochenende durchgeführt werden können. "Unsere niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind an den Wochenenden zwar für medizinische Notfälle gerne im Einsatz, die Bewilligung von Medikamenten scheitert aber schon daran, dass die ÄrztInnen des chefärztlichen Dienstes am Wochenende nicht verfügbar sind. Die Situation ist jedenfalls sehr unbefriedigend und das ausschließlich deshalb, weil sich die Landeskliniken-Holding seit Jahren nicht mit der Kasse über einen vernünftigen Modus einigen kann."

Es kann nicht sein, dass Ärzte und Apotheker für Verfehlungen des Systems angeschwärzt werden

Eine mögliche Lösung wäre laut Dr. Baumgartner, dass im Krankenhaus bei Entlassungen am Wochenende genau so viel vom benötigten Medikament gleich mitgegeben wird, dass der Patient erst am nächstmöglichen Werktag zur Besprechung der Weiterbehandlung und Verschreibung der dafür notwendigen Medikation zum niedergelassenen Arzt muss. "Das wäre aus Sicht aller Beteiligten, vor allem aus Sicht der Patientinnen und Patienten das Beste. Von den Apothekerinnen und Apothekern kann jedenfalls auch keine Vorleistung verlangt werden, die dann möglicherweise nicht ersetzt wird." "Die Sozialversicherungen und Spitalsbetreiber sind der Patientenschaft gegenüber verpflichtet. Und nicht die Berufsgruppen, die am Wochenende die Versorgung von Akutfällen übernehmen sollen", so Präsident Dr. Reisner weiter. "Es kann also nicht angehen, dass diensthabende Ärzte und Apotheker angeschwärzt und medial angeprangert werden, nur weil das dahinterliegende System seit Jahren keinen vernünftigen Lösungsansatz parat hat."

Geeignete Lösungen im Sinne der Patientinnen und Patienten sind längst fällig

Kurienobmann Dr. Baumgartner und Präsident Dr. Reisner sind sich einig, dass solche Probleme im Zuge der bevorstehenden Gesundheitsreform gelöst werden müssen. Doch da hört man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weder auf die Ärzte- noch die Apothekerschaft, da man alle an der Behandlung der Patientinnen und Patienten beteiligten Berufsgruppen von vornherein von den Verhandlungen ausgeschlossen hat.

Aus Sicht von Präsident Dr. Reisner ist ganz klar: "Wir brauchen keine Landes-Zielsteuerungskommissionen und weiteren zusätzlichen Verwaltungs- und Bürokratiegremien. Wir brauchen stattdessen vernünftige Lösungen im Sinne der Patientinnen und Patienten. Wir werden daher als Ärztevertreter so gut wie möglich darauf achten, dass nur sinnvolle Reformansätze durchgeführt werden. Denn als Sündenböcke für Verfehlungen der Politik lassen wir unsere Berufsgruppe sicher nicht einspannen."

apa.at

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