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APA-Artikel 6. November 2013

Ärztekammer meldet Zweifel an Kärntner Gesundheitsreform- und Sparideen an

"Aus der Sicht der Ärzteschaft ist es nicht erkennbar, wie man mit den von der Landesregierung angekündigten Änderungen kurzfristig im Gesundheitsbereich Kosten sparen kann. Die im Zuge der Gesundheitsreform festgelegten Sparziele sind völlig unrealistisch und es besteht die große Gefahr, dass Leistungen gekürzt werden und letztlich ein Kollaps der Gesundheitsversorgung droht. Es sollte jetzt sinnvoll sowohl in die intramurale (z.B. Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Ausbildung der Ärzte) als auch in die extramurale Versorgung (z.B. mehr Kassenplanstellen, neue Formen der Zusammenarbeit - Gruppenpraxen, Time-Sharing-Modelle) investiert werden.

Ein weiteres Steuerungsinstrument könnte die Wiedereinführung einer sozial gestaffelten Ambulanzgebühr sein. "Es zeigt sich, dass es sinnvoll gewesen wäre, wenn in der Landeszielsteuerungskommission auch die Meinung und die kreativen Vorschläge der Standesvertretung eingeflossen wären", sagt der Präsident der Kärntner Ärztekammer Dr. Josef Huber.

Er nimmt Bezug auf Medienberichte vom 6. November, denen zufolge die Landesregierung neue dem Krankenhaus vorgelagerte Versorgungszentren einrichten will, um die Ambulanzen der Spitäler zu entlasten und damit Kosten zu sparen. "Die neue Kärntner Krankenanstaltenordnung erlaubt den Spitälern die Gründung solcher Filialen. Die Ärzteschaft ist strikt dagegen, weil dies ein Schritt zu einer zentral gelenkten Staatsmedizin ist. Ganz offensichtlich geht es auch darum, für die Krankenhäuser neue Finanzmittel zu lukrieren, welche dem niedergelassenen Bereich entzogen werden könnten", erläutert Dr. Huber.

Überdies wäre es für die ohnehin überlasteten Mediziner in den Krankenhäusern unzumutbar, weitere Aufgaben zu übernehmen. Kärnten hat österreichweit die geringste Zahl von Spitalsärzten, denen man daher nicht noch weitere Aufgaben aufhalsen kann", warnt Dr. Huber.

Im Übrigen wäre jetzt die Zeit, darüber nachzudenken, ob sich die Konstruktion der KABEG überhaupt bewährt hat. Sie ist ein aus der Landesverwaltung ausgegliedertes Unternehmen, in dem dennoch die Politik das Sagen hat und das vor allem im Landesbudget eine gewichtige Rolle spielt. Die Gesundheitsversorgung ist das vielleicht wichtigste Thema, das fast jeden Bürger unmittelbar betrifft und für das die Politik die Verantwortung trägt. Daher wäre es durchaus überlegenswert, wenn die Politik das Heft wieder direkt in die Hand nimmt, indem sie die Steuerung der Landesspitäler wieder in die Landesverwaltung überführt, statt sich des verlängerten Armes der KABEG zu bedienen.

Für die Ärztekammer gibt es nur einen sinnvollen Weg für die Zukunft des Gesundheitswesens. "Wir müssen das Netz an niedergelassenen Ärzten vor allem auch in den ländlichen Regionen stärken. Wenn die Basisversorgung in den Regionen funktioniert, wird auch der Zulauf zu den Krankenhausambulanzen reduziert", betont Präsident Dr. Huber abschließend.

apa.at

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