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APA-Artikel 6. November 2013

Schluss mit gesundheitspolitischem Stillstand! (2)

Eine aktive Gesundheitspolitik, die Einbindung der Ärzteschaft bei der Planung und Umsetzung großer Projekte, Lösungen für die vielfältigen Probleme in den Spitälern, die Verwirklichung der Empfehlungen aus der Ärztebedarfsstudie und die Umsetzung der Rahmengesundheitsziele auch für ärztliches Personal: Die Verbesserungsvorschläge der Bundeskurie Angestellte Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) für die künftige Bundesregierung sind zahlreich.

Ärztinnen und Ärzte im Land halten

  • Die skizzierten Probleme führen dazu, dass immer mehr Ärztinnen und Ärzte ins Ausland abwandern, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen vorfinden. Ein nicht unerheblicher Teil der Studienabsolventen sucht zudem Karrieremöglichkeiten in anderen Berufen.
  • Manche Spitäler kämpfen bereits mit Personalmangel, einige tun sich schwer, die freien Stellen zu besetzen. Um diese Situation zu ändern, müssen die Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen verbessert werden.

Gesunde Ärzte - gesunde Patienten

  • Die Gesundheit der Spitalsärzteschaft muss stärker in den Vordergrund gerückt werden. Derzeit wird Raubbau an der Gesundheit der Medizinerinnen und Mediziner betrieben.
  • Das von der Politik erarbeitete Rahmengesundheitsziel Nr. 10 fordert unter anderem gute Arbeitsbedingungen für die Gesundheitsberufe. Nur so kann in der Folge die hohe Qualität der Versorgung aufrechterhalten werden. Krankes und überlastetes Personal kann keine Spitzenleistungen erbringen oder fällt womöglich für längere Zeit aus. Es braucht daher gesundheitsfördernde Maßnahmen in den Spitälern, um Erkrankungen wie z.B. Burnout zu verhindern. Mayer: "Wenn das nicht passiert, dann ist das Gesundheitsziel das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt ist."
  • Spitalsärzte haben ein besonders hohes Risiko, an Burnout zu erkranken, wie eine Studie von Univ.Prof. Dr. Peter Hofmann von der Universitätsklinik für Psychiatrie der Med Uni Graz im Jahr 2011 ergeben hat. Demnach liegt das Burnout-Risiko zwischen 50 und 60 Prozent; besonders gefährdet sind männliche Spitalsärzte bis 47 Jahre, vor allem jene, die sich in der Ausbildung zum Facharzt befinden. Zum Vergleich: Richter, Wirtschaftstreibende und Wirtschaftstreuhänder haben mit 40 Prozent ein deutlich geringeres Burnout-Risiko als Ärztinnen und Ärzte.

Empfehlungen der Ärztebedarfsstudie umsetzen

Die Ärztebedarfsstudie empfiehlt:

  1. Entlastung der Ärzteschaft von Verwaltungs- und Dokumentationsaufgaben
  2. Steigerung der Attraktivität des ärztlichen Berufes durch Reduktion administrativer Belastung
  3. sinnvoller Einsatz des Personals entsprechend der Qualifikation - Steuerung des Zustroms zu den Ambulanzen
  4. leistungsgerechte Entlohnung
  5. Einhaltung der Arbeitszeithöchstgrenzen
  6. attraktivere Ausbildung - neue Karrieremodelle
  7. flexible, dem jeweiligen Lebensabschnitt angepasste Arbeitszeitmodelle
  8. ausgeglichene Work-Life-Balance
  9. Kinderbetreuungsplätze errichten
  10. verbesserte tagesklinische Betreuung statt stationärer Aufnahme
  11. Erhalt der Arbeitsfähigkeit älterer Spitalsärztinnen und -ärzte

Der Mehrbedarf an Ärztinnen und Ärzten wird im Jahr 2030 rund 14 Prozent betragen; ausgehend von den in der Studie verwendeten Zahlen aus dem Jahr 2008 würde das bedeuten, dass allein in den Spitälern rund 3.000 Ärztinnen und Ärzte mehr benötigt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass manche Fächer - Chirurgie, Innere Medizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie - schon jetzt unterbesetzt sind.

Die Studie hat schließlich auch ergeben, dass rund 25 Prozent der österreichischen Medizinstudentinnen und -studenten nach Abschluss ihres Studiums lieber im Ausland arbeiten würden. Die Zahl der Studienabgänger wird den wachsenden Bedarf nicht einmal dann decken können, wenn alle Absolventen in Österreich bleiben.

apa.at

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