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APA-Artikel 6. November 2013

Schluss mit gesundheitspolitischem Stillstand! (1)

Eine aktive Gesundheitspolitik, die Einbindung der Ärzteschaft bei der Planung und Umsetzung großer Projekte, Lösungen für die vielfältigen Probleme in den Spitälern, die Verwirklichung der Empfehlungen aus der Ärztebedarfsstudie und die Umsetzung der Rahmengesundheitsziele auch für ärztliches Personal: Die Verbesserungsvorschläge der Bundeskurie Angestellte Ärzte in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) für die künftige Bundesregierung sind zahlreich.

"Wir weisen seit Jahren auf Fehler im System hin. Die Politik hat darauf aber bislang entweder gar nicht oder mit völlig falschen Ansätzen reagiert", betonte ÖÄK-Vizepräsident und Bundeskurienobmann Harald Mayer am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Die Warnungen, Vorschläge und Forderungen der Bundeskurie seien schlichtweg ignoriert worden. Dabei seien die notwendigen Maßnahmen mehr als überfällig. Mayer: "An den Problemen hat sich nichts geändert, wir haben auch praktikable Konzepte ausgearbeitet. In der Schublade nützen uns diese Konzepte allerdings nichts." Seit Sommer 2012 hat die Bundeskurie in 21 Aussendungen und sechs Pressekonferenzen auf Mängel im heimischen Spitalswesen hingewiesen und Verbesserungsvorschläge unterbreitet, oft mit gutem medialem Echo, jedoch ohne Reaktion seitens der Politik.

Überlange Arbeitszeiten, Verweiblichung der Medizin

  • Die Arbeitszeiten in den Spitälern sind nach wie vor viel zu lang. Sie stellen eine Gefahr für die Patienten dar, gleichzeitig wird Raubbau an der Gesundheit der Ärzteschaft betrieben. Die Bundeskurie fordert seit Jahren eine gesetzliche Beschränkung der Höchstarbeitszeit auf 25 Stunden. Die Politik ignoriert diese Forderung konsequent - und das, obwohl sich immer wieder Politiker zu Wort melden, die überlange Dienstzeiten in den Spitälern scharf kritisieren. "Es wäre an der Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen, wie dies zum Beispiel endlich am Wiener AKH geschieht", so Kurienobmann Mayer. Derzeit gehören Verknappung, Ausbeutung und Arbeitsverdichtung in den Spitälern nach wie vor zum Alltag.
  • Die Medizin wird immer weiblicher, rund zwei Drittel der Turnusärzte sind bereits Frauen. Das erfordert neue, flexible Arbeitszeitmodelle, Kinderbetreuungseinrichtungen in den Spitälern und in weiterer Folge eine ausgeglichene Work-Life-Balance.

Ausbildung verbessern, Turnusärztetätigkeitsprofil umsetzen

  • Die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses muss reformiert werden. Anstatt den jungen Ärztinnen und Ärzten ein Übermaß an Administrations- und Dokumentationstätigkeit aufzubürden, muss die praktische Ausbildung wieder stärker im Vordergrund stehen. Eine Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, besteht in der Installation von Administrationsassistenten, die dem ärztlichen Personal bürokratische Arbeiten abnehmen und es so entlasten können. So bleibt wieder mehr Zeit für die Lehre, Stichwort "bedside teaching".
  • Um zu verhindern, dass Turnusärztinnen und -ärzte für nichtärztliche Tätigkeiten eingespannt werden, muss außerdem das ÖÄK-Turnusärzte-tätigkeitsprofil umgesetzt werden. Dieses regelt exakt, welche Tätigkeiten in den Aufgabenbereich eines Turnusarztes fallen und welche beispielsweise von der Pflege übernommen werden können.

Ambulanzen entlasten

  • Überlaufene Ambulanzen gehören zum spitalsärztlichen Alltag. Jährlich verzeichnen die Ambulanzen rund 16 Millionen Patientenkontakte, d.h. statistisch gesehen sucht jeder Österreicher zweimal jährlich eine Spitalsambulanz auf.
  • In vielen Fällen - Schätzungen gehen von 60 bis 70 Prozent aus - könnte der niedergelassene Allgemeinmediziner bzw. Facharzt weiterhelfen. Es bedarf also einer Möglichkeit, die Patientenströme zu steuern, etwa durch den gezielten Ausbau des niedergelassenen Bereichs (Stichwort: Gruppenpraxen, Verlängerung der Ordinationszeiten) oder durch die Einrichtung vorgelagerter Akutambulanzen, in denen entschieden wird, ob ein Patient akut im Spital behandelt werden muss oder ob er ein Fall für den niedergelassenen Arzt ist.
  • Im Kranken- und Kuranstaltengesetz (KAKuG) ist genau geregelt, welche Aufgaben eine Ambulanz zu erfüllen hat. Die Versorgung von Bagatell-Wehwehchen wie Erkältung gehört nicht dazu.

(Forts.)

 

apa.at

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