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APA-Artikel 6. November 2013

Spitäler: Intransparente Wartelisten - "Küss' die Hand'-Patienten" 1

Da haben die österreichischen Patientenanwälte und die Gesundheitspolitik noch einiges zu tun: Die Wartezeiten für geplante chirurgische Eingriffe in der Orthopädie (vor allem Hüft- und Kniegelenksersatz bzw. Schulteroperationen ) und in der Augenheilkunde - beim "Grauen Star" - haben sich seit 2007 nicht erledigt. Nur Niederösterreich publiziert die Wartelisten offen im Internet. Wer privatversichert ist oder vor der Operation in eine Privatordination geht ("Küss' die Hand'-Patienten"), kommt früher dran. Das hat eine neue Untersuchung des Instituts für Höhere Studien mit Thomas Czypionka als Erstautor ergeben.

"In Österreich warten Patienten im Median (Wert, der bei geordneter Auflistung der Daten an mittlerer Stelle steht, Anm.) 2,1 Monate auf eine Hüftgelenksoperation und 2,5 Monate auf eine Kniegelenksoperation, wie unsere retrospektive Patientenbefragung zeigte. Eine Befragung der Krankenanstaltenbetriebsgesellschaften stellte starke Unterschiede bei der Wartezeit sowohl zwischen als auch innerhalb der einzelnen Bundesländer fest. So variiert die Wartezeit auf orthopädische Operationen zwischen unter einem Monat und acht Monaten, die auf ophthalmologische Operationen zwischen unter einem Monat und fast zwölf Monaten", stellten die Experten fest.

Die im schlechten Fall "typisch österreichische Seite" der Angelegenheit: "Mit Hilfe der Patientenbefragung konnte die von den Patientenvertretern geäußerte Annahme, dass eine private Krankenzusatzversicherung bzw. eine private Zuzahlung bzw. ein Besuch einer Privatordination die Wartezeit verkürzen, bestätigt werden. Patienten mit einer privaten Krankenzusatzversicherung haben in Fondsspitälern (öffentliche Krankenhäuser mit öffentlicher oder privater Trägerschaft, keine reinen Privatspitäler; Anm.) eine signifikant kürzere Wartezeit als Patienten ohne private Krankenzusatzversicherung."

Die Autoren zu ihrer Patientenbefragung mit 447 Teilnehmern: "6,5 Prozent der befragten Patienten wurde angeboten, die Wartezeit durch eine private Zuzahlung zu verkürzen, und 7,4 Prozent der befragten Patienten wurde angeboten, die Wartezeit durch den Besuch einer Privatordination zu verringern." Letzteres hat in Medizinerkreisen den Ruf der "Küss' die Hand'-Patienten", weil über den Umweg der Privatordination des behandelnden Arztes und Zahlung dann auch schnellere Therapie im Krankenhaus verheißen wird.

"Jeder Patient kann ja in ein Privatspital gehen", sagte Czypionka gegenüber der APA. Aber in ganz oder teilweise von der öffentlichen Hand finanzierten Krankenhäusern in einem solidarischem Gesundheitssystem seien derartige Zustände wohl inakzeptabel.

apa.at

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