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APA-Artikel 28. Oktober 2013

Kinderrehabilitation: Noch immer keine Versorgung für Kinder in Ostösterreich

Obwohl das Gesundheitsministerium den akuten Bedarf für Kinderrehabilitation in Österreich schon vor Monaten dokumentiert hat, müssen die betroffenen Kinder und ihre Eltern immer noch warten. So stehen etwa 8000 Rehabilitationsplätzen für Erwachsene nur etwa 60 für Kinder- und Jugendliche gegenüber - und diese beschränken sich fast ausschließlich auf die neurologische Rehabilitation. Für Kinder mit durchgemachter Krebserkrankung, Herz- und Lungenerkrankungen, Rheuma und Stoffwechselkrankheiten besteht derzeit in Österreich noch keine Möglichkeit der Rehabilitation.

"Wir brauchen dringend eine eigene Rehabilitationseinrichtung speziell für Kinder", mahnt Univ. Prof. Dr. Franz Grill, international anerkannter Kinderorthopäde und Ärztlicher Direktor des Orthopädischen Spitals Speising (Wien) in der neuen Ausgabe des Vinzenz magazins. Kompetenzdiskussionen zwischen Ländern und Sozialversicherung dürfen nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden, so Grill.

Diese Lücke kann und will die Vinzenz Gruppe, die Krankenhäuser, Pflegehäuser und Einrichtungen für Rehabilitation und Kur führt, rasch schließen. Direkt angrenzend an den Standort Orthopädisches Spital Speising soll eine Kinder-Reha als eigene Sonderkrankenanstalt entstehen, die bereits bei der zuständigen Wiener Magistratsabteilung eingereicht wurde. Die Vinzenz Gruppe übernimmt auch die Investitionsfinanzierung. Es müsste nur mehr die Standortentscheidung offiziell bestätigt sowie die laufende Finanzierung mit der Stadt Wien und dem Hauptverband geklärt werden.

Rund 90 Prozent der Kinder, die in Wien oder den angrenzenden Bundesländern wohnen, sind im Orthopädischen Spital Speising in laufender Behandlung und vor allem die Operationen finden direkt dort statt. Nach einer erfolgreich verlaufenen (neuro-)orthopädischen Operation ist es für die Kinder sehr wichtig, dass sofort danach mit einer Rehabilitation begonnen wird, damit der Erfolg der OP anhaltend gewährleistet ist. Grill: "Derzeit müssen betroffene Kinder in Wien sechs Monate bis zwei Jahre auf eine Therapiemöglichkeit in Sozialpädiatrischen Zentren warten." Die Eltern müssen von der Heilgymnastik bis zum Bandagisten Einzelanträge stellen, oft zu jedem Termin extra anreisen - eine zusätzliche Belastung für alle.

Die Vorteile von einer eigenen Kinderreha in direkter Nachbarschaft des orthopädischen Spitals Speising liegen auf der Hand: Akutmedizin und Rehabilitation sind Tür an Tür. Auf diese Weise werden sowohl eine schnelle Behandlung als auch Therapie gewährleistet.

Vor allem aber brauchen Kinder- und Jugendliche ein anderes Umfeld als Erwachsene - neben pädagogisch geschultem Personal muss es für sie etwa die Möglichkeit geben, Unterricht zu erhalten. Dafür bestehen im Orthopädischen Spital Speising die besten Voraussetzungen, denn es gehört zu den ältesten mit eigener Schule ausgestatteten Spitälern Europas.

Außerdem sollten die jungen Patienten während der Dauer der Therapie nicht von den Eltern getrennt sein, der Familienanschluss ist für das Behandlungsergebnis ausgesprochen wichtig. "Kinder sind keine kleinen Erwachsenen!", betont Grill, darum sollten sie auch nicht länger als nötig in der Krankenhaus-Atmosphäre bleiben. Laut einer Studie der Gesundheit Österreich GmBH (GÖG) würden in Österreich rund 350 Rehabilitationsbetten für Kinder und Jugendliche benötigt. Derzeit gibt es in Oberösterreich und der Steiermark nur rund 60 Plätze. Im Osten, wo zwei Drittel des Reha-Bedarfes liegen, gibt es kein einziges Bett. Für Grill, der in Speising 30 Jahre lang die Abteilung für Kinder- und Jugendorthopädie geleitet hat und mit Jahresende in den Ruhestand wechselt, "eine echte Lücke im Gesundheitssystem".

apa.at

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