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APA-Artikel 28. Oktober 2013

ORF-"Im Zentrum": Von Krankenhausproblemen zur Gesundheitspolitik

Von Klagen über Ärztemangel an den Wiener Universitätskliniken (MedUni Wien) im AKH über in Medien berichtete Zwischenfälle mit Patienten und schließlich zur allgemeinen Gesundheitspolitik: So verlief am Sonntagabend die Thematik einer ORF2-"Im Zentrum"-Expertendiskussion. Beklagt wurden Mängel in den Spitälern, im Bereich der niedergelassenen Medizin und in der Politik selbst.

Ex-ÖVP-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky zu Stand und Zukunft der Gesundheitspolitik auf Bundes- und Bundesländerebene: "Eines der Grundprobleme ist, das sich eigentlich nichts ändert. (...) Ich bin sehr traurig, dass das Gesundheitswesen im Wahlkampf und in den Koalitionsverhandlungen überhaupt kein Thema gewesen ist."

Zu Beginn hatte ein Salzburger Patient davon berichtet, dass bei ihm ein zweiter Schlaganfall im Spital zunächst übersehen worden sei. Seine Erklärung: "Meine persönliche Einschätzung ist, dass die Ärzte nach einem Dienst von 24 Stunden wahrscheinlich nicht in der Lage sind, ernsthafte Probleme beim Patienten zu erkennen." NÖ-Patientenanwalt Gerald Bachinger dazu: "Diese Fälle, die da an die Oberfläche kommen, sind in dieser Häufung Zufall, aber typisch für Fälle, die täglich passieren." Die Ärzte in Ambulanzen arbeiteten unter einem hohen Druck, aber: "60 bis 70 Prozent der Patienten, die in die Ambulanzen strömen, brauchen diese gar nicht."

Neben von Medien berichteten Zwischenfällen in österreichischen Kliniken hatten vor einigen Tagen mehrere Abteilungschefs der Wiener Universitätskliniken gegenüber der APA von eklatantem Mangel an Ärztepersonal berichtet. Peter Husslein, Chef der Universitäts-Frauenklinik: "Ich glaube wirklich, dass unser System an die Wand fährt." Das österreichische Gesundheitswesen sei "ökonomisch besonders ineffizient", die "jungen Ärzte und Ärzte im ländlichen Bereich werden schamlos ausgenützt." Die EU habe nur an einer Schraube gedreht - an der Limitierung der Arbeitszeiten für Spitalsärzte. Das sei zu hundert Prozent zu unterstützen, führe aber dazu, dass bei 173 Ärzten am Wiener AKH im Nachtdienst am nächsten Tag eben 173 Ärzte im Dienst fehlten.

Wie für die anderen Diskussionsteilnehmer offenbaren sich im österreichischen Gesundheitswesen auch für den Autor zahlreicher systemkritischer Bücher zum Gesundheitswesen, Kurt Langbein, einfach Systemmängel. Österreich habe nicht zuwenige Ärzte, die Politik setze sie nur falsch ein. Es fehle an einer besseren Aufgabenverteilung und neuen Strukturen mit Versorgungszentren in der niedergelassenen Praxis. Kolportierte Pläne, im Rahmen einer Koalitionsvereinbarung das Gesundheitsministerium im Sozialministerium aufgehen zu lassen, kritisierte Langbein abschließend: "Wir brauchen eine österreichische Gesundheitspolitik, die den Bundesländern ihre Kompetenzen weitgehend abnimmt."

apa.at

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