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APA-Artikel 24. Oktober 2013

D: Vorsicht vor unnötigen OPs - Große Koalition gegen Rekorde?

Was tun, wenn ein Chirurg zur OP rät? Nicht immer sind die Eingriffe medizinisch geboten. Nun gibt es einen neuen Rekord. Auch in den Koalitionsverhandlungen dürften Probleme an den Kliniken eine Rolle spielen.

Grundlos operierte Patienten, Eingriffe mit zweifelhaftem Erfolg - Klagen über zu viele und enttäuschende Operationen gibt es immer wieder. Da dürften die neuen Zahlen aus Wiesbaden auch bei den Gesundheitspolitikern von Union und SPD auf Interesse stoßen: Laut Statistischem Bundesamt gab es im vergangenen Jahr einen neuen Rekord. 15,7 Millionen Mal kamen Patienten in den gut 2000 deutschen Kliniken unters Messer - 300 000 Mal häufiger als im Vorjahr. Was könnte eine große Koalition dagegen vorsehen?

Nächste Woche will die Arbeitsgruppe Gesundheit beider Parteien ihre Verhandlungen beginnen. Probleme bei den Kliniken dürften nach den bisherigen Ankündigungen auf die Tagesordnung kommen. So hatte der Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der die Verhandlungen für die SPD leitet, schon im März Reformpläne vorgelegt. Denn Patienten könnten nicht sicher sein, dass Entscheidungen von Ärzten allein auf medizinischen Gründen beruhen. "Sie sind der Gefahr ausgesetzt, dass aus ökonomischen Erwägungen heraus unnötig operiert wird."

Aber auch sein Gegenüber an der Spitze der AG Gesundheit, der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn, zeigte sich in der Vergangenheit problembewusst: "In Deutschland wird zu oft und zu früh operiert, etwa bei Bandscheiben-Vorfällen oder Knie-OPs." Im Interesse von Patienten und Beitragszahler solle das Problem gemildert werden.

Laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wurden in Deutschland mit 240 Klinikaufenthalten je 1000 Einwohner zuletzt pro Jahr so viele Menschen auf Station behandelt wie in kaum einem anderen Industriestaat. Nur in Österreich waren es etwas mehr. Bei den Herz-Kreislauf-Behandlungen und künstlichen Hüften ist Deutschland Spitze.

Zuletzt zeigte sich im September die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie alarmiert: Patienten würden zu oft operiert - noch bevor schonendere Behandlungen wie Physio- oder Schmerztherapie ausgeschöpft seien. Zwischen 2005 und 2011 hat sich die Zahl der Wirbelsäulen-OPs auf 229 000 mehr als verdoppelt. Die Wiesbadener Statistiker weisen auf die häufigen Eingriffe bei älteren Patienten am Darm, an den Gallengängen sowie am Hüftgelenk hin.

Was kann Abhilfe schaffen? Zumindest gegen Chefarzt-Boni für viele Eingriffe hat die scheidende Koalition schon etwas gemacht. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft musste Empfehlungen herausgeben, "die sicherstellen, dass Zielvereinbarungen, die auf finanzielle Anreize bei einzelnen Leistungen abstellen, ausgeschlossen sind", hieß es im entsprechenden Gesetz. Dies geschah im Mai.

Doch Experten zweifeln daran, dass dies reicht, solange sich die Operationen für die im Konkurrenzkampf stehenden Kliniken direkt im Krankenhausumsatz niederschlagen. Die OECD riet, dass die Kliniken in Deutschland mehr nach dem Erfolg von Behandlungen bezahlt werden sollen. Doch wann ist eine Klinik erfolgreich? Es gibt zwar jährliche Qualitätsberichte. Doch selbst die zuständigen Experten beim Gemeinsamen Bundesausschuss von Krankenkassen, Kliniken und Ärzten räumen ein, dass die Ergebnisse für eine Reform hin zur Bezahlung nach Qualität noch nicht reichen. So müsste dafür auch das weitere Schicksal der Patienten nach der Entlassung bewertet werden.

Lauterbach hatte noch einen anderen Vorschlag in petto. Rät ein Arzt zur OP, sollten Patienten immer eine zweite Meinung einholen dürfen. Und zwar sollten sie das nicht auf eigene Faust machen müssen - sondern dafür solle es spezielle Zentren mit Vertretern mehrerer Fachgruppen geben. Bei der Union stießen Forderungen nach Einrichtung neuer und oft auch kostspieliger Institutionen im Gesundheitswesen in der Vergangenheit allerdings regelmäßig auf wenig Begeisterung.

Von Basil Wegener, dpa

apa.at

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