zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 22. Oktober 2013

Studie: Patienten werden immer selbstbestimmter

63 Prozent der Österreicher entscheiden selbst, in welchem Krankenhaus sie sich behandlen lassen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung möchte die Spitäler sogar dazu verpflichten, Informationen über Heilerfolge zu veröffentlichen. Zu diesem Schluss kam eine Studie des Linzer market-Instituts im Auftrag der Vinzenz Gruppe Krankenhausbeteiligungs- und Management GmbH, die am Dienstag in Wien präsentiert wurde.

"Es ist ein Kulturwandel im Gange, was die Erwartungen an Gesundheitseinrichtungen betrifft. Dieser Wandel ist in den Krankenhäusern noch nicht ausreichend wahrgenommen worden", sagte Michael Heinisch, Geschäftsführer der Vinzenz Gruppe. Die Patienten würden immer wählerischer werden und erst nach gründlicher Recherche entscheiden, in welchem Krankenhaus sie sich behandlen lassen wollen. "Die Patienten haben ihre klassische Rolle geändert. Während die ersten Umfragen vor etwa zehn Jahren noch zeigten, dass sich die Kranken penibel an die Ratschläge ihres Arztes halten, wissen wir heute, dass sich diese autoritäre Beziehung geändert hat und sie immer selbstbewusster werden", erklärte Heinisch.

Das zeigen auch die Daten der Studie: 57 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Informationen über die behandelnden Ärzte, 51 Prozent möchten die Krankenhäuser verpflichten, ihre Heilerfolge zu veröffentlichen. 71 Prozent der Personen nehmen diese Informationen anschließend als Grundlage, um sich für ein Spital zu entscheiden. Problematisch sei laut Werner Beutelmeyer vom market-Insitut, dass nur 39 Prozent der Patienten bei der Suche nach Informationen auch erfolgreich sind. Deshalb werde vermehrt auch das Internet zur Auskunft über Gesundheitsanstalten herangezogen: Im Jahr 2012 wurden 46.000 Internet-Postings über Spitäler publiziert.

"Information entsteht stark über die stille Post. Wenn mich jemand fragt, teile ich meine Information gerne mit. Wenn ich Gutes mitteile, hat das eine ungeheure Glaubwürdigkeit. Wenn ich schlechte Erfahrungen mache, dann ich es meine Pflicht, andere Menschen darüber zu informieren. Für die Krankenhäuser wiegt eine solche Auskunft aber weitaus schwerer", so Beutelmeyer. Tatsächlich gaben 88 Prozent der Befragten an, ihre Erfahrungen mit anderen teilen zu wollen. Bei Bedarf einer Behandlung würden 38 Prozent ein Spital "auf jeden Fall" und 45 Prozent "eher doch" weiterempfehlen.

Laut Michael Heinisch würden die Ergebnisse für die Gesundheitspolitik bedeuten, dass nicht mehr nur Bettenziffern und Einzugsgebiete in die Krankenhausplanung einbezogen werden müssen. Auch Qualitätskriterien wie beispielsweise die menschliche Betreuung, die den Patienten dazu bewegen, sich für ein Spital zu entscheiden, müssten berücksichtigt werden. Auch soziale Netzwerke würden in Zukunft verstärkt als Informationsquellen der Spitäler für die Patienten zum Einsatz kommen. "Wenn ein Mensch in ein Krankenhaus geht, ist er meistens orientierungslos. Ich bin deshalb zu 100 Prozent davon überzeugt, dass er dann alles schätzt, was ihm Vertrauen und Orientierung in seinen Fragen gibt. Darum geht es schließlich im Gesundheitssystem", meinte Heinisch.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben