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APA-Artikel 21. Oktober 2013

Zürcher Ärzte fordern familienkompatible Spitäler

Die Tätigkeit an einem Zürcher Spital muss auch für Ärztinnen und Ärzte mit einer Familie vereinbar sein - und zwar auf allen Hierarchiestufen. Damit könne man der zunehmenden Ärzteknappheit entgegenwirken, argumentiert der Zürcher Verband der Spitalärztinnen und -ärzte (VSAO-ZH).

Unabdingbar seien Teilzeitstellen und familienfreundliche Organisationsstrukturen, schreibt der VSAO-ZH in einem Manifest, das er am Montag auf seiner Website aufgeschaltet hat. Er führt dort auch Argumente auf und bietet eine Checkliste an, mit der Spitäler ihre Familienfreundlichkeit überprüfen können.

Einerseits lasse sich damit dem immer akuter werdenden Ärztemangel entgegenwirken. Anderseits könne man damit auch verhindern, dass viel Geld verschwendet werde, sagte VSAO-ZH-Präsident Rudolf Reck zur Nachrichtenagentur sda.

Es mache keinen Sinn, dass jemand eine teure Aus- und allenfalls Weiterbildung absolviere, sich später aber aus dem Beruf verabschiede, weil der sich nicht mit der Familie vereinbaren lasse. Nach einem Unterbruch von nur wenigen Jahren sei man in diesem Beruf "weg vom Fenster". Angebote für Wiedereinsteigerinnen gebe es praktisch keine.

Laut VSAO-ZH sollte jede dritte oder gar jede zweite ärztliche Stelle als Teilzeitstelle angeboten werden. Mit Job-Sharing, flexiblen Arbeitszeiten, Zusatzurlauben und dergleichen liesse sich dies verwirklichen.

Aber mit Teilzeitstellen allein ist es nicht getan: laut Verband braucht es auch die "Schaffung oder Vermittlung einer guten Kinderbetreuung", die an die Arbeitszeiten der Spitalärzte angepasst ist. Damit Mutterschaftsurlaube gewährleistet werden können, sollten Assistenz- und Oberarztstellen nicht mehr befristet sein beziehungsweise verlängert werden können.

Neuerungen sind laut VSAO-ZH zudem in der Spitalorganisation nötig. Verzögerungen des abendlichen Arbeitsschlusses sollten nicht schon strukturell vorgegeben sein, indem etwa kurz vor Schichtende noch Visiten stattfinden, die Folgearbeiten wie Austrittsberichte und dergleichen nach sich ziehen.

Gesellschaftspolitisches Thema

Laut Reck ist die Zürcher VSAO-Sektion schweizweit die erste, welche diese Forderungen - Reck spricht von Vorschlägen - veröffentlicht. Man bringe damit ein gesellschaftspolitisches Thema auf den Tisch

Anzunehmen, das alles koste nichts, sei nicht realistisch, räumte Reck ein. Anderseits aber lasse sich auch sparen: Vor allem, weil es weniger Stellenwechsel gebe, die immer mit Einarbeitungskosten verbunden seien. Erfahrungsgemäss blieben nämlich Teilzeit-Mitarbeitende länger an einer Stelle - schon nur, weil sie Mühe haben, eine andere zu finden.

apa.at

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