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APA-Artikel 17. Oktober 2013

Wiener Universitätskliniken - "AKH geht den Bach runter"

Unter den Spitzenmedizinern der Wiener Uni-Kliniken herrscht offenbar Beunruhigung und tiefe Besorgnis. Ein Klinikchef gegenüber der APA: "Es fehlen 15 bis 20 Prozent an Kapazitäten bei den Ärzten.“ Ein anderer Klinikchef bestätigte die Aussagen Peter Hussleins mit einer immer schlechter werdenden Situation: „Das AKH geht den Bach runter. Die medizinischen Standards sind wegen der neuen Dienstregelungen längst verlassen."

MedUni-Wien-Rektor Wolfgang Schütz hatte am Dienstag eine Aussprache mit mehreren Abteilungsleitern. Dies bestätigte er gegenüber der APA. Man arbeite daran, "das jetzige Defizit wieder auszugleichen". Dies sei bis 1. März kommenden Jahres geplant.

Der Kernpunkt seien Management-Maßnahmen ohne Erhöhung der Geldmittel für Ärzte durch das Wissenschaftsministerium, so der Rektor: "Wir haben rund 1.500 Ärzte. Es gibt derzeit 173 Nachtdienste. Es wird geprüft, ob man zehn bis 15 Prozent (der Nachtdienste, Anm.) einsparen könnte. Diese Ärzte wären dann am nächsten Tag da." Zusätzlich wolle man den Ärztestand insgesamt erhöhen: „Wir werden nicht bei eins zu eins zur alten Situation gelangen. Aber ich sehe keine Gefahr.“ Ausgeruhte Ärzte in der Patientenbetreuung wären wichtiger als unausgeruhte im Dauerdienst.

Im Hintergrund werden von den kritisch eingestellten Klinikchefs der MedUni Wien auch die gesamten Rahmenbedingungen an der Universität beklagt. An den Universitätskliniken und somit im AKH solle Lehre, Forschung und Spitzenmedizin betrieben werden. Für die Gemeinde Wien ist seien sie eben ein "Allgemeines Krankenhaus". In der Mediziner-Ausbildung solle bei mehr Studenten in Kleingruppen gelehrt werden. Die Qualitätszertifizierung des Krankenhauses koste Personal. Und, so ein Abteilungsleiter: "Die Patienten werden anspruchsvoller. Wir haben mehr Patienten, die sich beschweren. Das kostet auch Personal. Dabei wird die Zahl der Stellen reduziert und wir haben die neue Betriebsvereinbarung – noch dazu."

Husslein zog folgende Bilanz: "Das System zerbröselt. Wir sind vor 25 Jahren in das Neue AKH eingezogen. Es ist einleuchtend, dass man es generalsanieren und Re-Investitionen von 1,5 Milliarden Euro tätigen muss. So kann es nicht weitergehen." Statt ein neues "Krankenhaus Nord" zu bauen, sollte die Gemeinde Wien besser darauf achten, die Universitätskliniken und somit das AKH nicht zu vernachlässigen. Der Gynäkologe: "Es ist jedem in Wien zuzumuten, über die Gürtelbrücke ins AKH zu fahren. Die Patienten in Wien wollen das AKH." Man müsse die Wiener über die Zustände aufklären.

apa.at

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