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APA-Artikel 15. Oktober 2013

Ärztekammer: Bei Herzstillstand ist nur Untätigkeit ein Fehler

Rund 10.000 Fälle von plötzlichem Herzstillstand außerhalb von Kliniken gibt es in Österreich pro Jahr, europaweit wird die Zahl auf 350.000 geschätzt. Über Leben und Tod entscheide vielfach das Verhalten von Laien, so Michael Lang von der Österreichischen Ärztekammer am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Viele Menschen aber greifen aus Angst vor Fehlern nicht ein. Zu stärken sei die Ersthilfekompetenz schon im Kindesalter, fordern die Ärzte.

Was das Notarztsystem betreffe, sei Österreich zwar gut aufgestellt, professionelle Hilfe erreiche die Patienten im Durchschnitt jedoch erst nach rund zehn Minuten, so Lang. Ausschlaggebend für die erfolgreiche Wiederbelebung eines Patienten seien aber die ersten drei Minuten. Über Leben und Tod entscheide daher in vielen Fällen ein Laie.

Derzeit machen laut Lang, Leiter des Referats für Notfalldienste der Österreichischen Ärztekammer, aber nur rund 15 Prozent der Österreicher überhaupt den Versuch, jemanden zu reanimieren. Die meisten trauen sich dieses Eingreifen nicht zu. Neben Unwissen und fehlender Kompetenz liege das vor allem an der Angst, etwas falsch zu machen. Lang stellte klar: Für einen Fehler während einer Wiederbelebungsmaßnahme kann niemand strafrechtlich belangt werden, wohl aber für unterlassene Hilfeleistung.

Die Ärztekammer fordert eine stärkere Verankerung der Ersthilfekompetenz im Schulunterricht. Kinder hätten diese Angst nämlich nicht. Das Ziel müsse es sein, diese Kompetenz so trainieren, dass im Ernstfall nicht über das Eingreifen nachgedacht werde. In Schweden oder in den Niederlanden sei Reanimation schon ein Pflichtfach, in diesen Ländern greifen rund 60 Prozent der Menschen im Ernstfall ein. Durch ein rascheres Reagieren der Ersthelfer könnten laut Lang pro Jahr rund 1.000 Menschen mehr gerettet werden.

Für das frühe Erlernen und Üben der Ersthilfekompetenz machte sich auch Notfallmediziner Michael Baubin von der Uniklinik Innsbruck stark. "Kinder können das. Das ist keine Frage", zeigte er sich überzeugt. Um wirksam reanimieren zu können, reiche ein Körpergewicht von 40 bis 45 Kilo aus. Dieses Gewicht brächten viele Kinder auf die Waage, so auch Schulärztin Gudrun Weber. Die Schüler seien von den Angeboten vielfach auch begeistert. Weber betonte ebenfalls, wie wichtig es ist, zu handeln: "Es macht auch nichts, wenn einmal eine Rippe bricht."

Am morgigen "Tag der Wiederbelebung" (16. Oktober) wird in ganz Europa auf die Bedeutung der Reanimation hingewiesen. An einem schlecht gemachten Verband sei nämlich noch kaum jemand gestorben, so Baubin, an fehlender Reanimation schon.

apa.at

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