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APA-Artikel 14. Oktober 2013

Tausende Menschen in Deutschland durch Darmspiegelung gerettet

Während in Österreich noch immer um die Realisierung des geplanten Mammakarzinom-Screenings mit Einladungen an Frauen zwischen 45 und 70 Jahren gestritten wird, ist Deutschland schon viel weiter: Bei bereits bestehendem Mammakarzinom-Screening wurde am Montag von Erfolgen mit den kostenlos angebotenen Reihen-Koloskopien berichtet. Tausende Menschenleben seien gerettet worden.

Das deutsche nationale Dickdarmkrebs-Screeningprogramm hat sich laut der bisher umfangreichsten Studie ihrer Art als Erfolg erwiesen. Die Studie ergab hohe Krebserkennungsraten in Verbindung mit niedrigen Komplikationsraten. Untersuchung wurden die Ergebnisse von fast drei Millionen Darmspiegelungen ausgewertet, die im Rahmen des Screeningprogramms in Deutschland durchgeführt wurden. In Österreich gibt es ein solches Projekt noch nicht.

Laut der Studie sind erfahrene Endoskopiefachleute in der Lage, eine signifikante Anzahl an Krebsgeschwulsten im Frühstadium sowie Krebsvorstufen zu erkennen, zu entfernen und damit potenziell Tausende von Menschenleben zu retten. Wie Dr. Christian Pox vom Universitätsklinikum Bochum, Co-Autor der veröffentlichten Studie, gegenüber Pressevertretern auf der 21. United European Gastroenterology Week (UEG Week) in Berlin erklärte, sind diese Ergebnisse sehr ermutigend: „Deutschland ist eines der wenigen Länder, die im Rahmen ihres nationalen Dickdarmkrebs-Screeningprogramms Darmspiegelungen anbieten. Unserer Ansicht nach bestätigen die Ergebnisse der Studie den Nutzen dieser Strategie und wir möchten mehr Menschen dazu bewegen, am Screeningprogramm teilzunehmen.“

Im Rahmen der Studie wurden die Ergebnisse von über 2,8 Millionen Darmspiegelungen in mehr als 2.100 Arztpraxen in Deutschland zwischen Jänner 2003 und Dezember 2008 ausgewertet. Die Teilnahmeraten erwiesen sich als relativ niedrig: Nur 15,5 Prozent der berechtigten Männer und 17,2 Prozent der berechtigten Frauen nahmen in den ersten sechs Jahren tatsächlich am Screeningprogramm teil.

Trotz dieser niedrigen Teilnahmeraten konnte die Studie hervorragende Krebserkennungsraten nachweisen. Bei etwa einem von 100 Screeningteilnehmern (0,9 Prozent der Studienpopulation) wurden asymptomatische Krebsfrühstufen gefunden, bei etwa einem von 5 Screeningteilnehmern (19,4 Prozent der Studienpopulation) Adenome, Vorläufer von Dickdarmkrebs. Bei Männern war die Wahrscheinlichkeit von Adenomen deutlich höher als bei Frauen – ein besorgniserregender statistischer Wert, ist die Teilnahmerate unter Männern doch niedriger als unter Frauen. Die Komplikationsrate erwies sich als sehr niedrig. Nur bei drei von 1.000 Darmspiegelungen traten Komplikationen auf – in erster Linie Blutungen.

„Mit den Darmspiegelungen verfolgt das Screeningprogramm zwei Hauptziele“, so Pox. "Erstens sollen asymptomatische Krebsfrühstufen gefunden werden, bei denen die Prognose noch gut ist. Zweitens sollen Adenome gefunden und entfernt werden, um der Entwicklung eines künftigen Dickdarmkrebses vorzubeugen. In unserer Studie haben wir gezeigt, dass diese beiden Ziele sicher und erfolgreich umgesetzt werden können, und wir gehen davon aus, dass dieses Programm wesentliche Auswirkungen auf die Dickdarmkrebsraten und die Mortalität durch Dickdarmkrebs in Deutschland haben wird. Das erwarten wir durch längerfristige Follow-ups nachweisen zu können. Jetzt ist es unsere Aufgabe, mehr Menschen zur Teilnahme an dieser potenziell lebensrettenden Vorsorgeuntersuchung zu ermutigen.“

apa.at

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