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APA-Artikel 10. Oktober 2013

Chronischer Schmerz kostet bis zu drei Prozent des BIP

Zwei bis drei Prozent der Wirtschaftsleistung Europas gehen verloren, weil etwa 20 Prozent der erwachsenen Menschen an oft nicht diagnostizierten oder suboptimal behandelten chronischen Schmerzzuständen leiden. Das sagte am Donnerstag der Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG), Christian Lampl, bei einer Pressekonferenz in Wien zum Start der 13. Österreichischen Schmerzwochen.

"Eine Studie, die im European Journal of Neurology zu den ökonomischen Kosten von Erkrankungen des Gehirns erschienen ist, hat die Behandlungs- und wirtschaftlichen Folgekosten in Europa bei Migräne mit rund 18 Milliarden Euro (pro Jahr, Anm.) berechnet, bei durch Schmerzmittelüberkonsum hervorgerufenen Kopfschmerz sind es 19 Milliarden Euro und bei Spannungskopfschmerz rund fünf Milliarden Euro", sagte Lampl, Neurologe am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz. Die Dunkelziffer von Patienten mit schweren chronischen Schmerzzuständen liege immer noch bei um die zehn Prozent.

Umfragen haben ergeben, dass etwa 50 Prozent der Menschen mit chronischen Schmerzen eine Leidensgeschichte von durchschnittlich zwei Jahren haben, bis sie kompetent behandelt werden. Jeder dritte Betroffene bekommt keine Therapie, 38 Prozent der Behandelten sind mit ihrer Lebensqualität immer noch unzufrieden. In Europa gibt es rund 80 Millionen Patienten mit chronischen Schmerzzuständen, allein die Kosten für chronische Rückenschmerzen schlagen in Österreich mit jährlich rund sechs Milliarden Euro zu Buche.

In Österreich - so der ÖSG-Präsident - ist die Situation nicht so gut, wie dies von der Gesundheitspolitik dargestellt werden: "Dass die Schmerztherapie in Österreich bestens ist, das stimmt für den akuten Schmerz. Es stimmt nicht für die Prävention und es stimmt nicht für den chronischen Schmerz."

Das liege auch an den Strukturen des österreichischen Gesundheitswesens. Lampl: "Es gibt Rehabilitationszentren für Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, es gibt eigene Rehabilitationszentren für Diabetiker. Es gibt kein Rehabilitationszentrum für Patienten mit chronischem, nicht psychosomatischem Schmerz. Es fehlt ein abgestuftes Versorgungssystem vom Hausarzt, zum Facharzt, zur interdisziplinären Schmerzambulanz, zur Schmerzabteilung im Krankenhaus und zur Schmerzrehabilitation."

Insbesondere fehlt laut dem Neurologen in Österreich ein Ausbau der Betreuungskapazitäten für Schmerzpatienten außerhalb der Spitäler: "Der chronische Schmerzpatient gehört nicht ins Krankenhaus." Die Österreichische Schmerzgesellschaft werde sich in Zukunft deshalb vermehrt an die Politik wenden. In Florenz in Italien findet in den kommenden Tagen der Kongress der Europäischen Schmerzföderation (EFIC) statt.

apa.at

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