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APA-Artikel 10. Oktober 2013

ÖBVP zum Tag der seelischen Gesundheit

Amoklauf, Cyber-Mobbing, Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit, Belastungen im Schulalltag, Gewalt in der Familie - alles aktuelle gesellschaftliche Begebenheiten, die auf psychischen Belastungen basieren. Das macht deutlich, wie wichtig Prävention, Gesundheitsförderung und rechtzeitige Hilfe bei psychischen Erkrankungen sind. Am heutigen Welttag der seelischen Gesundheit sollen diese noch immer tabuisierten Krankheitsbilder Beachtung finden. Dabei sind Aufklärung über die Möglichkeiten psychischer Behandlungen sowie Entstigmatisierung bei schweren psychischen Störungen dringend notwendig. Welche Auswirkungen mangelhafte psychische Gesundheitsvorsorge hat, zeigen gesamtwirtschaftliche Statistiken.

Psychische Erkrankungen gelten in Österreich als vierthäufigste Ursache bei den Krankenständen, das sind jährlich 78.000 Personen, die aufgrund psychischer Leiden arbeitsunfähig sind. Seit 1991 stieg die Zahl der Krankheitstage durch psychische Störungen um etwa 33 Prozent. Neuzugänge bei krankheitsbedingten Frühpensionen, die aus psychischen Gründen erfolgen, sind mit 32 Prozent erschreckend hoch.

Rund 250.000 ÖsterreicherInnen (ca. drei Prozent der Bevölkerung) sind jährlich von schweren psychischen Störungen betroffen. Knapp mehr als die Hälfte aller Betroffenen ist älter als 60 Jahre. Der öffentliche Diskurs über psychische Erkrankungen wird jedoch besonders von Problemen der Arbeitswelt dominiert.

Allgemeinmedizinische Praxen weisen einen hohen Prozentanteil an psychischen Beratungsfällen auf. Weltweit leidet fast jede vierte PatientIn an einer psychischen Störung. Wissenschaftlich fundierte Behandlungsleitlinien empfehlen Psychotherapie bei akuten und leichten depressiven Störungen, bei mittelgradigen, schweren und chronischen depressiven Störungen eine Kombinationsbehandlung aus Psychotherapie und Pharmakotherapie. Das gilt im Wesentlichen auch für andere psychische Störungen. Von diesem Behandlungsstandard sind wir in Österreich noch weit entfernt. Besonders bei leichten psychischen Störungen kommen viel zu häufig nur Psychopharmaka zum Einsatz.

Zur Erinnerung: In Österreich nehmen 900.000 Personen das Gesundheitswesen wegen psychischer Erkrankungen in Anspruch. Davon werden 840.000 Personen ausschließlich mit Psychopharmaka versorgt. Nur 35.000 Personen erhalten kassenfinanzierte Psychotherapie, 30.000 Personen finanzieren ihre Psychotherapie aus eigener Tasche. Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) setzt sich dafür ein, dass alle Menschen mit psychischen Störungen Psychotherapie, rechtzeitig und umfassend von den Krankenkassen finanziert, in Anspruch nehmen können.

apa.at

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