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APA-Artikel 8. Oktober 2013

Intensivtherapie soll autistischen Kindern Weg ins Leben erleichtern

Das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz startet ein - laut Initiatoren im deutschsprachigen Raum einzigartiges - Projekt zur Intensivtherapie für Kinder mit Autismusstörungen. Damit soll den Betroffenen soziales Interagieren erleichtert werden. Voraussetzung für den Erfolg ist die Früherkennung, daher wünschen sich die Experten ein flächendeckendes Screening, wie sie in einer Pressekonferenz am Dienstag in Linz betonten.

Vor einigen Jahren begannen Johannes Fellinger, Vorstand des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie, und Daniel Holzinger, Leiter des Zentrums für Kommunikation und Sprache, vom Krankenhaus der Barmherzigen Brüder eine Kooperation mit William Barbaresi vom Children's Hospital der Harvard School of Medicine in Boston. Dort arbeitet man seit Jahren intensiv mit autistischen Kindern. Teils werden bis zu 30 oder 40 Stunden pro Woche in die Therapie investiert. Die Erfolge sind durch eine Studie belegt. Nun beginnt das Linzer Spital etwas Ähnliches aufzubauen. Acht hauseigene Therapeuten plus zwei aus anderen Bundesländern werden ausgebildet. Ab Frühling 2014 will man die Intensivtherapie anbieten.

Das Programm mit dem Namen Early Start Denver Model (ESDM) richtet sich an Kinder im Alter zwischen einem und zwei Jahren. Rund zwei Jahre lang werden verschiedene Alltagssituationen in 15 bis 20 Wochenstunden mit Therapeuten und Eltern trainiert. Dadurch sollen die sozialen Fähigkeiten, die Autisten fehlen, aber die Grundlage für die weitere Entwicklung darstellen, neu aufgebaut werden. Der Erfolg sei sogar im EEG sichtbar, erklärte Holzinger. Während autistische Kinder - im Gegensatz zu gesunden - stärker auf Gegenstände als auf Personen reagieren, ändere sich das nach einer Therapie.

Erste Alarmsignale für die Eltern sollten sein, wenn Kinder keinen Blickkontakt aufbauen, nicht anfangen auf Dinge zu zeigen oder die Sprachentwicklung sehr schlecht ist. Oft werden autistische Störungen aber erst viel zu spät als solche erkannt, dann ist eine Therapie schwieriger und weniger erfolgsversprechend. Die Experten wünschen sich daher ein flächendeckendes Screening, dieses dauere nur ein paar Minuten. Es werde derzeit nicht bezahlt, von vielen Ärzten aber freiwillig durchgeführt, so Fellinger. Er hoffe, dass es hier zu einer Lösung komme, und sich die Sache "nicht zu einem Politikum auswächst".

apa.at

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