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APA-Artikel 8. Oktober 2013

Psychische Erkrankungen: Frühzeitige Hilfe notwendig

Psychische Erkrankungen sind keine Angelegenheit einer kleinen Minderheit. Bei einer Pressekonferenz aus Anlass der Präsentation eines neuen Informationsbuches zum Thema Depressionen des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger betonten Experten am Dienstag in Wien die Notwendigkeit von besserer Information und der Optimierung der Präventions- und Behandlungsangebote für die Betroffenen.

"Laut der Analyse einer Studie, die wir durchgeführt haben, nehmen derzeit rund 900.000 Österreicher das Gesundheitswesen wegen psychischer Diagnosen in Anspruch. Die Leistungen der Krankenkassen betragen dafür rund 800 Millionen Euro pro Jahr", sagte der Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Hans Jörg Schelling. Im Laufe des Lebens sei etwa jeder fünfte Österreicher betroffen. Allein rund 500.000 Personen dürften innerhalb eines Jahres an einer Depression erkranken, im Laufe des Lebens jeder fünfte bis siebente Mensch.

Der Wiener Sozialpsychiater Johannes Wancata hat für den Hauptverband der Sozialversicherungsträger das Buch "Von der Depression zur Lebensfreude" geschrieben, das direkt Betroffenen und ihren Angehörigen zur Verfügung gestellt werden soll. Er trat noch immer falscher Legendenbildung zu dieser Erkrankung entgegen: Depressionen würden entweder als seltene, schwere Erkrankung gesehen, die nur eine Minderheit betreffen, oder als Allerweltsleiden ohne schwere Konsequenzen. Entscheidend sei eine rechtzeitige Diagnose und eine wirksame Behandlung.

Der Psychiatrie-Konsulent des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Karl Dantendorfer, auch federführend bei den burgenländischen psychosozialen Diensten tätig, betonte die Notwendigkeit frühzeitigen Eingreifens: "Dass zehn Prozent der Österreicher von psychischen Erkrankungen betroffen sind, befinden wir nicht als Horrorzahl. Psychische Erkrankungen sind so häufig, wie sie eben sind. Alle internationalen Daten bestätigen das."

Gerade bei den Depressionen sollte besser und vernetzter diagnostiziert und behandelt werden. Der Psychiater: "Wir haben relativ viele Einmal-Verschreibungen von Antidepressiva. Wir wissen aber, dass sie erst nach vier Wochen wirken können." Da seien kein Effekt, nur Kosten zu erwarten. Der Experte weiter: "Wir haben im Durchschnitt sieben Jahre Zeit von der Erstverschreibung eines Antidepressivums bis zum Antrag auf Frühpensionierung." Diese Zeitspanne gelte es zu nutzen.

Die Wiener Kinder- und Jugendpsychiaterin Claudia Klier betonte einen Nachholbedarf bei ihrer Klientel: "Nur 20 Prozent der Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren mit einer Depression werden diagnostiziert." Die Krankheitslast dadurch sei im Laufe des Lebens bereits im jugendlichen und mittleren Alter - somit früher als andere chronische Erkrankungen - gegeben. Laut Wancata werden überhaupt nur 50 bis 70 Prozent der psychischen Erkrankungen erkannt und diagnostiziert.

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger will jedenfalls über alle möglichen Kanäle die Frühdiagnose und die Betreuung der Betroffenen optimieren. Dazu zähle auch eine bessere Ausbildung der zukünftigen Allgemeinmediziner, erklärte Schelling. Allerdings, Dantendorfer sprach von "wenigen" Psychiatern, die mit Kassenvertrag versorgungswirksam würden. Er selbst habe eine solche Stelle im Burgenland zeitweise übernehmen müssen, weil sich kein Arzt dafür fand. Der Chefarzt der Psychosozialen Dienste in Wien, Georg Psota, erläuterte: "In Wien gib es etwas über 20 Psychiater mit Kassenvertrag." Das sei mit Sicherheit zu wenig." Auch Ausbildungsstellen stünden buchstäblich leer.

apa.at

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