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APA-Artikel 8. Oktober 2013

Gutachter im Spannungsfeld zwischen Recht und Medizin: Neue Zeitschrift soll Dialog stärken

Ärztliche Gutachten stehen meist nur bei spektakulären Mordprozessen im Fokus der Öffentlichkeit. Vielen ist der Stellenwert von Gutachten auch im Alltag nicht bewusst. So spielen Gutachten immer dann eine Rolle, wenn eine Leistung des Staates in Anspruch genommen wird. In Österreich werden jährlich rund eine halbe Million Gutachten erstattet.

Die soeben bei MANZ neu erschienene "Österreichische Zeitschrift für das ärztliche Gutachten" will dieser Wichtigkeit von Gutachten Rechnung tragen. Christina Wehringer, Chefredakteurin und Leiterin der ärztlichen Abteilung der Sektion IV im BMASK, fasste in einer Pressekonferenz am 7. Oktober 2013 den Stellenwert von Gutachten in verschiedensten Lebensbereichen zusammen:

"Gutachten werden zum Beispiel erstattet, wenn Sie einen Führerschein brauchen, wenn Sie Pflegegeld beantragen, wenn Sie für ihr Kind erhöhte Familienbeihilfe beziehen wollen oder wenn Sie eine Pension beantragen. Oder wenn Sie überfallen werden und nun Schmerzengeld vom Widersacher einfordern wollen."

Ärztliche Gutachter vermitteln an der Schnittstelle von Medizin und Recht

Die wichtigste Aufgabe, aber auch größte Herausforderung ärztlicher Gutachter ist es, an der Schnittstelle von Medizin und Recht zu vermitteln, indem hochkomplexe medizinische Zusammenhänge auf das Wesentliche heruntergebrochen und in eine allgemein verständliche Sprache übersetzt werden.

Ilse Huber, Vizepräsidentin des Obersten Gerichtshofs, hob hervor, dass Gutachter auch häufig unter Druck stünden: In ihren Gutachten behandeln sie häufig Dinge, die für die Betroffenen nur schwer erträglich seien; nachträglich gerieten sie dann häufig unter Beschuss und würden gar mit Befangenheitsvorwürfen oder Schadenersatzklagen konfrontiert. Aber, so Huber: "Nicht der Gutachter entscheidet, sondern der Richter!" Huber begrüßte ausdrücklich die neue Zeitschrift als Hilfestellung für Gerichtssachverständige.

"Gutachten müssen wissenschaftlich fundiert, nachvollziehbar und verständlich sein"

Rudolf Müller, Facharzt für Innere Medizin, Chefarzt der Pensionsversicherungsanstalt sowie Redakteur der neuen Zeitschrift, ging dann darauf ein, wie Gutachten beschaffen sein müssten, um diesen Spagat zwischen Recht und Medizin zu schaffen: "Sie müssen wissenschaftlich fundiert sein und sie müssen nachvollziehbar und in sich schlüssig sein. Obendrein sollen sie natürlich auch in einer verständlichen Sprache erstellt werden, weil ja einerseits der Richter auch damit zu Rande kommen muss, aber andererseits auch der Betroffene selbst ein Recht hat, das Gutachten und damit die Entscheidung des Gerichts zu verstehen."

Neue Zeitschrift befördert Dialog zwischen Medizin und Judikatur

Genau hier setze die "Österreichische Zeitschrift für das ärztliche Gutachten" an, so Chefredakteurin Christina Wehringer: "Die neue Zeitschrift informiert Gutachter über neue medizinische Erkenntnisse zu gutachterlichen Themen und bietet die neueste Judikatur - das heißt die Rechtsrahmen, in denen sich Sachverständige bewegen müssen - speziell für Ärzte aufbreitet."

Infos zur Zeitschrift: Österreichische Zeitschrift für das ärztliche Gutachten (DAG) Zeitschriften-Portal: http://dag.manz.at  Heft 1 online: http://issuu.com/adminmanz/docs/dag_01_2013  iPad-App: http://bit.ly/1ff27cl

apa.at

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