zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 2. Oktober 2013

Weitere Entwertung der Vertrauensärzte durch die Kassen

Nicht nur, dass die finanzielle Grundlage der niedergelassenen Ärzteschaft in den laufenden Verhandlungen weiter geschwächt wird, werden die niedergelassenen Ärzte für Allgemeinmedizin und Gynäkologie auch noch vom Informationsfluss über das für Frauen lebenswichtige Brustvorsorgeprogramm abgeschnitten! Der vielmals als Drehscheibe der Gesundheitsversorgung nach außen hin vollmundig geforderte Hausarzt soll nicht mehr in die Entscheidung über die Notwendigkeit einer Mammographie eingebunden werden. Auch wurde es für nicht erforderlich erachtet die Patientin zur Befundinterpretation und vor allem klinischen Untersuchung an einen diesbezüglich ausgebildeten Arzt - Allgemeinmediziner oder Gynäkologen - zu verweisen.

Hausärzte und Gynäkologen werden aus dem System entfernt!

Gegen Ihren Willen werden die Radiologen veranlasst neben der Befundung auch die Interpretation , das Aufklärungsgespräch und die klinische Beurteilung durchzuführen.

So haben wir uns das Mammascreening nicht vorgestellt!

Im bisherigen System haben die involvierten Allgemeinmediziner und Gynäkologen in etwa einjährigen bis anderthalbjährigen Zyklen Mammographien veranlasst und wurden vom Radiologen unmittelbar vom Ergebnis der Untersuchung informiert. Entsprechend waren die behandelnden Allgemeinmediziner und Gynäkologen sofort über pathologische Befunde ihrer Patientinnen und Patienten informiert, sodass erkrankte Frauen kurzfristig einer Behandlung zugeführt werden konnten.

Die Neuordnung der Brustkrebsvorsorge mit jetzt nur mehr zweijährigen Untersuchungen und deren Steuerung durch eine zentrale staatliche Stelle, stellt eine massive Verunsicherung der betroffenen Frauen dar. Sie werden nicht mehr von den ihnen vertrauten Hausärzten und Gynäkologen betreut, sondern müssen den Aufforderungen eines anonymen Steuerungszentrums nachzukommen.

Wir sehen hier einen wesentlichen Nachbesserungs-Bedarf der "Brustkrebsvorsorge neu", deren Absicht zu Einsparungen und Frequenzreduktion durch diverse Richtlinien und Administrationsauflagen offensichtlich ist, während in der Öffentlichkeit die Situation aber als Qualitätssteigerung präsentiert wird.

Offensichtlich ist eine Automatisierung der Betreuung von Menschen das Ziel und eine Abkehr von einem persönlichen, individualisierten System.

Die Einbeziehung der vertrauensärztlichen Hausärzte und Gynäkologen in Zusammenarbeit mit den Radiologen ist unabdingbar, wenn die Brustkrebsvorsorge Erfolg haben soll! Der Start des neuen Mammascreenings kann daher mit 01.10.2013 nicht erfolgen, weil durch Adaptierungen der hohe Stellenwert und die hohe Qualität der bisherigen Brustkrebsvorsorge zumindest gehalten werden muss!

Dr. WERNER Wolfgang Arzt für Allgemeinmedizin

Dr. VORBECK Friedrich Radiologe

Dr. BRAUNE Georg Gynäkologe

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben