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APA-Artikel 30. September 2013

Klinik Rheinau: Gebäude für psychisch kranke Straftäter eingeweiht

Der ehemalige "Pavillon für Unruhige" in Rheinau ZH ist saniert und umgebaut worden. Im renovierten Gebäude der Klinik für Forensische Psychiatrie stehen 52 Betten für psychisch kranke Straftäter zur Verfügung. Die meisten Patienten stammen aus dem Kanton Zürich.

Noch ist das Gebäude leer. Einzig Tische, Stühle und Betten stehen in den Zimmern. Im Garten warten inmitten von Blumen Schachfiguren auf den nächsten Zug, das hohe Absperrgitter dahinter erinnert an ein Gefängnis.

Trotz Gitter: "Wir sind hier nicht in einem Gefängnis, sondern in einem Spital", sagte Samuel Eglin, stellvertretender Generalsekretär der Zürcher Gesundheitsdirektion, am Freitag bei der Einweihung der Massnahmenstation.

In den letzten beiden Jahren wurde das Gebäude für 20,1 Millionen Franken umgebaut und saniert. In das Gebäude werden vier bestehende Massnahmenstationen von Rheinau umziehen. Der Trakt mit der Gebäudebezeichnung 80/82 war in den Jahren 1916 bis 1919 im Rahmen der Erweiterung der damaligen Rheinauer Klinikanlage als "Pavillon für Unruhige" erbaut worden.

Die Psychiatrische Universitätsklinik (PUK) hofft, dass sich die baulichen Veränderungen positiv auf die Entwicklung der Straftäter und Straftäterinnen auswirken werden. Der Umbau soll zudem die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden verbessern.

Zuerst in den Sicherheitstrakt

Nach Rheinau in die Klinik für Forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK) kommen psychisch kranke Straftäter, für die das Gericht eine stationäre Massnahme angeordnet hat.

Das Behandlungskonzept reicht vom Sicherheits- über den Massnahmenbreich bis hin zur ambulanten Nachbehandlung. Zuerst kommen die Straftäter auf eine der drei Sicherheitsstationen mit insgesamt 27 Betten.

Auf die Massnahmenstation versetzt werden die Patienten erst, wenn sie nicht mehr gefährlich sind. Ein solcher Entscheid werde intensiv im Austausch mit dem Justizvollzug des Kantons Zürich gefällt, sagte Elmar Habermeyer, Direktor Klinik für Forensische Psychiatrie. Und eine Versetzung könne auch jederzeit rückgängig gemacht werden.

Die Massnahmenstationen verfügen nicht mehr über einen so hohen Sicherheitsstandard wie der Sicherheitstrakt. Drei der vier Stationen mit jeweils 13 Betten sind geschlossen, eine ist offen.

Dies zeigt auch ein Vergleich der Kosten: Ein Tag auf der Sicherheitsstation kostet 1300 Franken, auf der Massnahmenstation sind es 750 Franken, wie Baumann sagte.

Zu wenig Betten für forensische Patienten

Mit der Sanierung habe man ein wichtiges Etappenziel bei der stationären Forensik erreicht, sagte PUK-Spitaldirektor Erich Baumann. Zusammen mit dem Sicherheitstrakt verfüge Rheinau über ein hervorragend eingerichtete Infrastruktur.

In der Schweiz gebe es zu wenig Spitalbetten für forensische Patienten, sagte Habermeyer. Für die Forensische Klinik in Rheinau bestehe "im Grunde immer eine Warteliste", also eine 100-prozentige Belegung.

Geplant ist in Rheinau deshalb ein weiterer Neubau mit 35 Betten. Dieser soll von den Sicherheitsstandards eine Zwischenstufe zwischen Sicherheitsstation und Massnahmenstation sein. Damit soll gemäss Baumann eine der führenden Kliniken in der Schweiz nicht nur erhalten, sondern ausgebaut werden.

apa.at

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