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APA-Artikel 19. September 2013

Tarifrunde: Ärztekammer Wien verliert offenbar die Nerven

Bei der Wiener Ärztekammer dürften nach der jüngsten Verhandlungsrunde offenbar die Nerven blank liegen. Nur so kann sich die Obfrau der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) die aktuelle Kritik an den Tarifgesprächen erklären - zumal ein weiterer Termin bereits vereinbart worden ist. Ingrid Reischl: "Die WGKK hat sich mehrfach bewegt und ihr Angebot laufend nachgebessert. Bei der Ärztekammer ist man aber offenbar der Ansicht, dass ihre Forderungen bedingungslos zu akzeptieren sind." Bernhard Wurzer, Generaldirektor-Stellvertreter im Hauptverband der Sozialversicherungsträger und Mitglied des Verhandlungsteams, formuliert es so: "Wir lassen uns sicher nicht erpressen. Es kann nicht sein, dass die Gier über die Vernunft siegt."

Ursprünglich hatte die WGKK - auch in Anlehnung an die aktuellen Wirtschaftsprognosen - eine Honorar-Steigerung von rund 26 Millionen Euro für die Jahre 2013 und 2014 geboten. Mittlerweile liegt eine Summe von 52,7 Millionen Euro auf dem Tisch - was auf zusätzliche Ausgaben von 4,06 Prozent im heurigen Jahr und 3,51 Prozent für 2014 hinausläuft. Reischl: "Jede andere Berufsgruppe in diesem Land wäre mit solchen Steigerungen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wohl mehr als zufrieden." Als reine Augenauswischerei bezeichnet die Obfrau die Darstellung der Ärztekammer, wonach sich diese bereit erklärt hätte, sechs Monate auf eine Honorarsteigerung zu verzichten, sofern es zu einem Abschluss per 1. Oktober 2013 kommt. Das Honorarvolumen, das verteilt wird, würde sich dadurch um keinen Cent ändern. Allerdings müsste die prozentuelle Steigerung im letzten Quartal entsprechend hoch ausfallen - was in weiterer Folge die Ausgangsbasis für die kommenden Jahre nachhaltig verteuert. Konkret würden die Ausgaben im Jahr 2015 dadurch automatisch um rund fünf Prozent steigen.

Ärztekammer-Chefverhandler intern unter Druck

Die jetzige Vorgehensweise zeige einmal mehr, wie sehr der Verhandlungsführer der Ärztekammer, Johannes Steinhart, intern unter Druck stehe, folgert Reischl. Wobei es keinerlei Verständnis dafür gebe, dass deshalb die Gesundheitsvorsorge der Frauen aufs Spiel gesetzt wird. In diesem Zusammenhang erinnert die WGKK-Obfrau daran, dass Steinhart in seiner Funktion als Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte in der Ärztekammer Österreich bereits im Vorjahr die Verträge zur Umsetzung des nationalen Brustkrebs-Screening-Programms unterzeichnet hat. Nun werde dieses wichtige Programm von Steinhart als Faustpfand bei den Verhandlungen missbraucht.

Anstatt die Patientinnen hier in Geiselhaft zu nehmen, appelliert Reischl daher an die Ärztevertreter - wie vereinbart - an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

apa.at

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