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APA-Artikel 16. September 2013

Nuklearmediziner fürchten um Diagnose- und Therapiekapazitäten

Zehntausende Österreicher, die auf Diagnose- oder Therapieleistungen der Nuklearmedizin angewiesen sind, haben mit langen Wartezeiten und bedrohten Versorgungskapazitäten zu rechnen. In den Krankenhäusern tritt die Politik mit der Gesundheitsreform massiv auf die Bremse, im niedergelassenen Bereich fehlt die Versorgung zum allergrößten Teil. Das beklagten am Montag Vertreter der Nuklearmedizin bei einer Pressekonferenz der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK) in Wien.

Die Probleme sind laut Thomas Leitha, Obmann der Bundesfachgruppe Nuklearmedizin der ÖÄK und Chef der entsprechenden Abteilung am SMZ-Ost in Wien, strukturbedingt: "In den nuklearmedizinischen Abteilungen (der Spitäler, Anm.) liegt der Schwerpunkt bei der Bildgebung. Hier ist das große Problem, dass wir in Österreich ein diagnoseorientiertes Finanzierungssystem haben. Das Spital bekommt Geld für eine Diagnose."

Fazit: Es gebe keine eigenen Abrechnungspositionen für nuklearmedizinische Untersuchungen, die zur Feststellung einer Erkrankung führen. Und der häufige Fall der "Ausschlussdiagnose" - erst über den Nachweis des Nichtvorliegens von verschiedenen Erkrankungen kommt die Medizin zu Feststellung, was dem Patienten fehlt (oder jedenfalls nicht fehlt) - fällt gänzlich unter den Tisch. "Eine Ausschlussdiagnose wird überhaupt nicht refundiert", so Leitha.

Die Verkürzung der Verweildauer der Patienten in den Krankenhäusern und die mit der aktuellen Gesundheitsreform zumindest angekündigte Verlagerung führt zu mehr Bedarf an nuklearmedizinischen Diagnose- und Therapiekapazitäten außerhalb der Krankenhäuser. Doch, so Roland Lengauer, stellvertretender Obmann der Nuklearmedizin-Fachgruppe: "Eine Niederlassung von Nuklearmedizinern in der Praxis gibt es grundsätzlich in Österreich nicht. Ein Paragraf 2-Kassenvertrag ist in Österreich grundsätzlich nicht gegeben." Sehr eingeschränkt - und mit Tricks via Allgemeinmedizin - gebe es beispielsweise vier Stellen in Niederösterreich, einige zusätzlich in Wien.

Diese Situation müssen offenbar die Patienten ausbaden: Die Wartezeiten für Schilddrüsendiagnostik betragen derzeit laut den Fachleuten mindestens rund sechs Monate. Dabei sind von Schilddrüsenleiden rund 60 Prozent der 60-Jährigen betroffen. Die Langzeitbetreuung von Schilddrüsenpatienten könnte laut den Standesvertretern sehr leicht in der niedergelassenen Praxis erfolgen.

Für Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurien der niedergelassenen Ärzte in der ÖÄK, ist die Situation symptomatisch: "Wir (kosten-)dämpfen nicht nur, wir sparen weg. (...) Wir hatten Jahr 2000 8.491 niedergelassene Ärzte mit Kassenvertrag, Ende 2012 waren es 7.602." In Österreich würden bei Übernahme von 70 Prozent der Spitalsambulanzleistungen durch niedergelassene Ärzte 1.300 Arztordinationen fehlen, in Wien 300." Entscheidend in der Gesundheitspolitik müssten der Bedarf an medizinischen Leistungen und nicht Einsparungen sein. Doch auch die gegenwärtig in Wien laufenden Kassenverhandlungen mit der Gebietskrankenkasse zeigten, dass die Finanzen und nicht der Versorgungsgedanke im Vordergrund stünden.

apa.at

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