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APA-Artikel 16. September 2013

Kärntner Ärztekammer warnt vor drohenden Rückschritten im Gesundheitssystem

"Das Ärztegesetz, das mit gutem Grund genau regelt, welche diagnostischen und therapeutischen Leistungen nur von Ärzten erbracht werden dürfen, ist die Basis dafür, dass Österreich eines der besten Gesundheitssysteme der Welt hat. Wenn dieses Gesetz aufgeweicht wird, bedeutet das einen Dammbruch", warnt der Präsident der Kärntner Ärztekammer Dr. Josef Huber. "Das hohe Niveau der Versorgung wird ausgehöhlt. Patienten werden die Leidtragenden sein"! Es sei der Qualität des Gesundheitssystems nicht dienlich, wenn die Grenzen bei der Berufsausübung fließend werden und diplomierte Krankenpflegekräfte bisher Ärzten vorbehaltene Tätigkeiten übernehmen dürfen.

"Österreich erlebt seit 50 Jahren eine ständige Steigerung des Versorgungsniveaus, weil die Qualität des Angebots dank des ärztlichen Vorbehalts garantiert ist. Patienten haben einen Rechtsanspruch darauf, dass die Leistungen lege artis, gemäß dem aktuellsten gesicherten medizinischen Wissen ausgeführt werden. Dazu gehört u.a. auch, dass alle möglichen Komplikationen mit beachtet werden. Diese Voraussetzungen können nur Ärzte nachweisen", betont Huber. Nicht umsonst müssten sie nach ihrem sechsjährigem Studium, einen dreijährigen Turnus absolvieren bzw. zusätzlich 5 Jahre und länger ihr Fach erlernen.

Für ihn ist es unverständlich, dass die Gesundheit Österreich GmbH einen solchen gesetzlichen und systemischen Dammbruch vorbereitet. "Das ist ein Offenbarungseid der Gesundheitspolitik. Sie hat durch jahrelange Untätigkeit den drohenden Ärztemangel in Österreich mit verursacht und sie sucht jetzt einen Notausgang darin, fehlende Mediziner durch "Nicht-Ärzte" zu ersetzen". Das sei der Weg des geringsten Widerstandes, der jedoch das Gesundheitssystem auf Dauer nach unten nivellieren würde. Der richtige Weg wäre, endlich in die Ausbildung der Ärzte zu investieren und die Rahmenbedingungen für Ärzte zu verbessern, damit Mediziner nicht ins Ausland abwandern.

"In diesem Zusammenhang ist auch die geplante Medizin-Uni in Linz dringend zu hinterfragen. Unnötige Kosten, welche in die bestehenden Medunis sowie die Lehrpraxisausbildung wesentlich sinnvoller investiert werden könnten", ist Dr. Huber überzeugt.

Statt "abstruser Reformpläne" sollte das Gesundheitsministerium endlich eine sinnvolle Aufgabenteilung zwischen Ärzten und Pflegekräften forcieren. "Wir bemühen uns schon länger, dass Pflegekräfte delegierbare Routinearbeiten, wie z.B. Blutabnahmen, Venenzugänge setzen, Infusionen anhängen, übernehmen und Turnus- wie Assistenzärzte davon entlastet werden. Da hört man von der Gesundheit Österreich nichts, aber stattdessen will sie Pflegekräften ärztliche Kompetenzen übertragen". Bei aller Wertschätzung für die Leistungen der Pflege seien Diagnose und Therapie unverzichtbare Kernaufgaben des ärztlichen Handelns. Präsident Dr. Huber zeigt abschließend noch einen Widerspruch auf: "Auf der einen Seite schraubt man fachliche und finanzielle Ansprüche (zwingende Haftpflichtversicherung) an Ärzte immer höher, und dann sollen medizinischen Eingriffe von Nicht-Ärzten ohne alle diese Auflagen erlaubt werden".

apa.at

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