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APA-Artikel 13. September 2013

SPÖ will Zahnspangen für Jugendliche auf Kassenkosten

Für Kinder und Jugendliche sollen die Krankenkassen in Zukunft Zahnspangen - egal ob abnehmbar oder festsitzend - in vollem Umfang bezahlen. Das hat Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos und dem Arzt Siegfried Meryn angekündigt. Auch feststehender Zahnersatz soll bei Jugendlichen bis 19 von den Kassen zur Gänze getragen werden. Und zusätzlich soll für alle Jugendlichen ab dem 13. Lebensjahr die Mundhygiene einmal pro Jahr gratis angeboten werden.

Die Kosten dafür bezifferte Stöger mit jährlich rund 120 bis 130 Millionen Euro. Finanzieren will er dies über eine Zweckbindung der Tabaksteuer, über die jährlich rund 1,6 Milliarden Euro eingenommen werden. Nicht einmal zehn Prozent davon würden reichen, rechnete der Gesundheitsminister vor: "Das müssen uns unsere Kinder wert sein."

Die Umsetzung der Maßnahmen strebt Stöger bis 1. Jänner 2015 an. Einen Gesetzesbeschluss braucht er nur für die Zweckbindung der Tabaksteuer. Die Abschaffung der Selbstbehalte bei Zahnspangen, Zahnersätzen und Mundhygiene müssten die Sozialversicherungen und die Zahnärztekammer in Verträgen umsetzen. Stöger sprach von einer Chance, die beide Seiten nützen sollten. Tatsächlich haben sowohl der Hauptverband als auch die Zahnärztekammer bereits ähnliche Forderungen erhoben, sich bisher aber nicht auf einen neuen Vertrag einigen können.

Die Frage, ob es sich bei der Ankündigung um ein Wahlzuckerl handle, beantwortete Stöger damit, dass in der Gesundheitspolitik immer ein Schritt nach dem anderen zu setzen sei. Er verwies darauf, dass man die Kassen saniert, die Zahnambulatorien für alle Leistungen geöffnet und das Kinderimpfprogramm ausgeweitet habe. Nun wolle man den nächsten logischen Schritt machen. Nach Berechnungen des Gesundheitsministeriums haben derzeit rund 100.000 Jugendliche Zahnspangen oder Zahnregulierungen. Mit dem Gratisangebot könnten Schätzungen zufolge rund 10.000 hinzukommen.

Stöger und Darabos verwiesen darauf, dass es sich dabei auch um eine wichtige soziale Frage handle. Der SPÖ-Bundesgeschäftsführer betonte, dass das Top-Niveau der Gesundheitsversorgung für alle Bürger unabhängig vom Geld zur Verfügung stehen müsse und die Bekämpfung der Zwei-Klassen-Medizin für die SPÖ nicht nur ein Schlagwort sondern ein politischer Auftrag sei. "Für uns zählt nicht die Kreditkarte, sondern die E-Card." Der Gesundheitsminister hob hervor, dass bei der Zahngesundheit das Geld eine wichtige Rolle spiele: "Ich möchte nicht, dass man am Gebiss des Kindes das Einkommen der Eltern ablesen kann."

Meryn betonte, dass die Zahngesundheit ganz wesentlich für die gesamte Gesundheit ist. Und im Kindes- und Jugendalter werde der Grundstein dafür gelegt. Fehlstellungen von Zähnen könnten schon im Kindesalter zu Karies, Verspannungen oder Kopfschmerzen führen. Deshalb seien Zahnspangen wichtig, um gesundheitliche Schäden zu verhindern. Die Vorsorge müsse bei den Kindern beginnen. Der prominente Internist verwies auch auf die soziale Stigmatisierung, die mit Zahnschäden einher gehen könne. Wenn junge Menschen Zähne verlieren, bedeute dies oft Scham und sozialen Rückzug.

apa.at

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