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APA-Artikel 12. September 2013

D: Ein Tropfen auf den heißen Stein: Pflegekräfte aus dem Ausland

Können Chinesen und Philippinen, Tschechen und Serben bei der Lösung des Problems helfen? Auf der verzweifelten Suche nach Pflegekräften setzt die Bundesregierung auf Unterstützung aus dem Ausland. Bisher mit bescheidenem Erfolg.

Die Bundesbürger leben nicht nur immer länger, sie werden dabei auch gebrechlicher und pflegebedürftiger. Doch es fehlt schon heute an Betreuern. Die Lücke dürfte - wenn nichts geschieht - immer größer werden. Schon zeichnet sich ein bedrohlicher Pflegenotstand ab.

Bis 2030 ist davon auszugehen, dass die Zahl der Bezieher von Pflegeleistungen um 40 Prozent auf 3,4 Millionen steigt. Schon heute kommen auf 100 offene Stellen nur 37 suchende Altenpflegefachkräfte. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung könnten bereits im Jahr 2030 rund eine halbe Million Vollzeit-Pflegekräfte fehlen.

Wie die Misere abwenden? Helfen soll die gezielte Anwerbung von Fachkräften jenseits der Grenzen. Dazu haben Bundesregierung, Bundesagentur für Arbeit (BA) und deren Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) sowie die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) Kooperationen mit neun Ländern vereinbart.

Pfleger aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland, aus Bosnien-Herzegowina, Serbien, den Philippinen, Tunesien und selbst aus China sollen also in deutschen Heimen oder ambulant Senioren füttern, waschen, ankleiden oder Medikamente verabreichen. In ihren Heimatländern sind die Betroffenen meist arbeitslos.

Aktuell nehmen 389 ausländische Pflegekräfte an einem der GIZ-Programme teil. Die Anwerbung hält Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) für einen "wichtigen Baustein", da Deutschland auf Zuwanderung qualifizierter Pflegekräfte nicht verzichten könne. "Im Gegenteil, wir brauchen sie, um den Bedarf zu decken. Ich setze mich dafür ein, weitere Erleichterungen für die Zuwanderung zu erreichen."

Auch mit Vietnam gibt es bereits eine Vereinbarung für eine Zweijährige Weiterbildung von etwa 100 vietnamesischen Pflegern und Pflegerinnen in Deutschland. Vor ihrer Abreise haben sie einen sechsmonatigen Sprachkurs absolviert: Damit sie sich mit den Pflegebedürftigen überhaupt unterhalten können.

Bei erfolgreichem Ausbildungsabschluss können die Pfleger drei Jahre in Deutschland arbeiten, bevor die Entscheidung über eine Rückkehr ins Heimatland ansteht. Immerhin winkt all jenen, die ihre Ausbildung hierzulande erfolgreich absolvieren, die Aussicht auf ein Leben in einem reichen Land und eine - für vietnamesische Verhältnisse - gute Bezahlung.

"Auf Dauer reicht es nicht aus, nur in Europa nach Fachpersonal zu suchen", sagte unlängst ZAV-Direktorin Monika Varnhagen. Die ZAV hält bereits seit längerem Ausschau nach Pflegekräften in anderen EU-Ländern, vor allem im krisengeschüttelten Südeuropa. Fachkräfte finden dort oft keine Stelle. Im vergangenen Jahr vermittelte die ZAV gleichwohl nur 56 Pflegekräfte aus dem europäischen Ausland. Die meisten kamen aus Portugal.

Bereits heute fehlen in Deutschland nach Schätzung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) rund 30 000 Pflegekräfte. Um Engpässe wie diesen zu entschärfen, beschloss die schwarz-gelbe Bundesregierung Ende Februar, Fachkräften von außerhalb der EU den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern.

Gegen den Pflegenotstand hatten Bund, Länder und Verbände schon Ende 2012 gemeinsam eine Initiative gestartet. Ziel war, die Ausbildungszahlen bis 2015 jährlich um zehn Prozent zu steigern und bis zu 25 000 Hilfskräfte zu examinierten Pflegekräften auszubilden. Flankierend dazu wurde die Umschulungsförderung der Bundesagentur für Arbeit wieder von zwei auf drei Jahre aufgestockt und die Ausbildung für Pflegehelfer mit Vorerfahrung auf zwei Jahre verkürzt. Bisher hatte die Initiative aber nach Darstellung der Arbeitgeber kaum Erfolg.

Von Günther Voss, dpa

apa.at

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