zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 11. September 2013

Deutschland wirbt weltweit um Pflegekräfte

Pflegekräfte aus dem Ausland sollen mithelfen, den Pflegenotstand in Deutschland abzuwenden. Die Bundesrepublik wirbt dafür weltweit in neun Ländern. Kritiker sehen darin ein Problem.

Deutschland sucht rund um den Globus Fachkräfte für den Gesundheits- und Pflegebereich. Die Werbeaktivitäten konzentrieren sich auf neun Länder: Spanien, Italien, Portugal und Griechenland, ferner Bosnien-Herzegowina, Serbien, die Philippinen und Tunesien. Mit der chinesischen Arbeitsverwaltung gibt es zudem ein Abkommen für ein Projekt, durch das 150 chinesische Pflegekräfte nach Deutschland vermittelt werden sollen.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Nachrichtenagentur dpa in Berlin vorliegt. Zuerst darüber berichtet hatte die "Rheinische Post" (Mittwoch). Für Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) handelt es sich lediglich "um einen Baustein" zur Lösung des Problems.

Aus der Antwort geht hervor, dass sich die Zahl der ausländischen Pflegekräfte aus andern Ländern - wie Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn - in den beiden vergangenen Jahren von etwa 15 000 auf rund 21 000 erhöhte. Aktuell nehmen 389 Pflegekräfte an einem Programm der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) teil. Sie stammen aus Bosnien-Herzegowina (273), Serbien (93) und den Philippinen (23) - und werden zum Teil "noch sprachlich und fachlich qualifiziert".

Nach Schätzung des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) fehlen heute rund 30 000 Pflegekräfte in Deutschland. "Wir können den Bedarf aus eigener Kraft nicht decken", sagte bpa-Chef Bernd Meurer der dpa. "Bis 2025 werden wir wegen der weiter steigenden Zahl von Pflegebedürftigen rund 400 000 zusätzliche Pflegekräfte brauchen." Die Bemühungen der Bundesregierung seien daher zu begrüßen.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), hält es für ebenso wichtig, "dass wir die Zahl der Ausbildungs- und Schulplätze für die Pflegeberufe in Deutschland erhöhen". Denn noch gebe es mehr junge Menschen, die in diesen Beruf starten wollten, als Ausbildungsplätze. Beides sei deshalb wichtig.

Kritik kam von SPD und Linken. SPD-Parteivize Manuela Schwesig sprach von einer "Bankrott-Erklärung der Bundesregierung". Statt sich im Ausland um Pflegekräfte zu kümmern, müssten die Arbeitsbedingungen in der Pflege verbessert werden. Aus Sicht des Linken-Abgeordneten Niema Movassat verschärft die Strategie der Bundesregierung, in Ländern wie Tunesien oder den Philippinen Fachkräfte abzuwerben, die Unterversorgung dort.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben