zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 10. September 2013

Polittalk in der Ärztekammer: Aufwertung des Hausarztes gefordert

Die SPÖ will zukünftig eine gemeinsame Planung und Steuerung der medizinischen Versorgung. Für die FPÖ ist unter anderem die Aufstockung von Ausbildungsplätzen wichtig, das BZÖ setzt auf familienfreundliche Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte, und das Team Stronach will zukünftig nur mehr Ärztinnen oder Ärzte als Gesundheitsminister. Allen gemeinsam ist das Bekenntnis zur Aufwertung des Hausarztes, verbunden mit einer besseren Ausbildung und höherer Entlohnung.

Aufgestellt wurden diese Forderungen und Absichtserklärungen im Rahmen der von der Wiener Ärztekammer ins Leben gerufenen Veranstaltungsserie "Gesundheits- und Sozialpolitik nach der Wahl", die gestern, Montag, Abend mit Vertretern von SPÖ, FPÖ, BZÖ und dem Team Stronach ihre Fortsetzung gefunden hat.

Offener Zugang zu allen Gesundheitsleistungen

Marcus Köller, Vorsitzender der Sozialdemokratischen ÄrztInnen, verwies dabei auf die großen Erfolge seiner Partei in Sachen Gesundheitspolitik. So habe die SPÖ in den vergangenen Jahren mit dem Kassensanierungsplan und dem Strukturfonds vorgezeigt, wie es funktionieren kann, die Gebietskrankenkassen ohne Einschnitte für die Patienten, wie Leistungseinschränkungen oder höhere Selbstbehalte, zu entschulden.

Bei den Ambulanzen tritt die SPÖ für eine Verlagerung in Richtung niedergelassener Bereich ein. Köller: "Die Forcierung von Gruppenpraxen beispielsweise würde Öffnungszeiten auch an den Tagesrandzeiten sowie an Wochenenden ermöglichen." Weiters will die SPÖ die Ausbildung zum Allgemeinmediziner neu strukturieren und modernisieren, um so die Rolle des Hausarztes aufzuwerten.

"Wenig attraktives Image" des Hausarztes

Eine Aufwertung des Hausarztes strebt auch die FPÖ an. Kritisiert werden hier vor allem die schlechten Arbeitsbedingungen sowie das "wenig attraktive Image" des Hausarztes, wie FPÖ-Nationalratsabgeordnete Dagmar Belakowitsch-Jenewein betonte. Ihre Gegenstrategie: "Wir müssen bei dieser verantwortungsvollen Tätigkeit für eine gerechte Entlohnung sorgen." Denn nur so könne sichergestellt werden, dass es auch zukünftig genügend Interessenten für Kassenplanstellen, vor allem in den ländlichen Gegenden, gebe.

Dass in manchen Fachbereichen noch immer eine Mangelversorgung vorherrsche, zeige, dass den politisch Verantwortlichen die Wichtigkeit offensichtlich noch immer nicht bewusst sei. "Da die Ausbildung mehrere Jahre dauert, kann nur durch eine Aufstockung der Ausbildungsplätze entsprechend entgegengewirkt werden." Falsch verstandene Sparpläne, die über Jahrzehnte einen Mangel hätten anwachsen lassen, müssten "endlich der Vergangenheit angehören".

Für das BZÖ nahm deren Nationalratskandidat Thomas Publig an der Diskussion teil. Er will ebenfalls eine bessere Finanzierung von Ordinationen, um längere Öffnungszeiten zu ermöglichen, die Beseitigung rechtlicher Hürden für Hausapotheken sowie familienfreundliche Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte. Gerade im ländlichen Bereich sei der niedergelassene Bereich eine zentrale Säule der medizinischen Versorgung. "Doch die Rahmenbedingungen sind derzeit so, dass die Landärzte mit immer größeren wirtschaftlichen Problemen kämpfen, ganz abgesehen davon, dass die unattraktiven Arbeitszeiten äußerst familienfeindlich sind".

Die jüngste Gesundheitsreform habe dem niedergelassenen Bereich zwar viele Aufgaben und Verantwortung zugeschoben "Fragen danach, ob das mit den bestehenden Strukturen überhaupt funktionieren kann, wurden aber nicht einmal gestellt, geschweige denn beantwortet", lautet Publigs Kritik. Das BZÖ werde sich jedenfalls dafür einsetzen, dass eine Gesundheitsreform umgesetzt werde, "die diesen Namen auch verdient". Zentral dabei solle die Rolle des niedergelassenen Bereichs sein, und hier vor allem die Ausbildung von Jungmedizinern in den Ordinationen.

Zukünftig nur mehr ärztlich ausgebildete Gesundheitsminister?

Aufhorchen ließ das Team Stronach mit seiner Forderung nach einer Kompetenzerweiterung des Gesundheitsministers. Dieser müsste ein Weisungsrecht gegenüber dem Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und den Selbstverwaltungen erhalten. Und: "Voraussetzung für das Amt des Gesundheitsministers sollte ein absolviertes Medizinstudium sein", betonte Marcus Franz, Nationalratskandidat vom Team Stronach.

Ärztinnen und Ärzte seien "die definitiv am besten ausgebildeten Experten im Gesundheitssystem und daher auch am besten geeignet, Systemänderungen und Verbesserungen einzuleiten und durchzuführen". Der Ärztestand müsse aufgewertet werden, und vor allem müsse auch das Hausarztwesen neue und positive Inputs, vor allem hinsichtlich des ärztlichen Gesprächs und die Zuwendung zum Patienten, erhalten. Franz: "Gerade weil die Technik so rapide fortschreitet, muss das Zwischenmenschliche in der Medizin wieder seinen ursprünglichen Wert bekommen."

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben