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APA-Artikel 3. September 2013

D: Dutzende Krankenkassen mit Auffälligkeiten bei Diagnosen

Übertreiben Krankenkassen die Krankheiten ihrer Patienten, um mehr Geld zu bekommen? Amtliche Kontrolleure haben viele Auffälligkeiten festgestellt. Doch sei alles nicht so schlimm, betonen alle Seiten.

Dutzende gesetzliche Krankenkassen haben mit einem auffälligen Anstieg teils kostenträchtiger Diagnosen offizielle Prüfer auf den Plan gerufen. In einem Schreiben vom August, das der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt, wies das Bundesversicherungsamt (BVA) den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung darauf hin.

Hintergrund ist, dass die Kassen für Patienten mit bestimmten Krankheiten mehr Geld bekommen. Seit längerem wird darüber debattiert, ob deshalb Versicherungen bei der Meldung von Krankheiten übertreiben. Die "Rheinische Post" (Dienstag) berichtete zuerst über das Schreiben.

"Die Mehrzahl der Auffälligkeiten treten bei BKKen auf, unter den auffälligen Kassen sind aber ebenfalls eine IKK, eine AOK und eine Ersatzkasse", heißt es in dem Schreiben vom August zur umfangreichsten von mehreren Prüfkategorien. Überprüft wurden Daten des Jahres 2009.

Das BVA und der Kassenverband bemühten sich am Dienstag, den Eindruck zu zerstreuen, Kassen stünden in größerem Umfang unter Manipulationsverdacht. "Bei den Auffälligkeitsprüfungen geht es um die Feststellung statistischer Auffälligkeiten", stellte das BVA fest. "Konkreter Manipulationsverdacht besteht nicht." Das aktuelle Konzept für die Auffälligkeitsprüfungen sei im Juli mit dem Kassenverband abgestimmt worden.

Die Zahl der auffälligen Kassen sei nicht außergewöhnlich, die Prüfungen reagierten sensibel auf Veränderungen. Insgesamt sind in dem Schreiben 59 Kassen erwähnt, die aufgefallen sind. Der Kassenverband betonte, in verschiedenen Prüfkategorien betroffene Kassen seien teils identisch.

In einem Fall etwa gab es laut BVA zum Beispiel bei einer kleineren Betriebskrankenkasse einen Anstieg von Herzinfarkten von 5 auf 19 Fälle. Insgesamt seien weniger Kassen aufgefallen als bei der vorangegangenen Prüfung. Bei den vielen auffälligen Fällen des Jahres 2008 seien zudem nur in drei Fällen wirkliche Manipulation festgestellt worden.

Der Sprecher des Kassenverbands, Florian Lanz, sagte: "Vorhandene Unstimmigkeiten werden nun im direkten Dialog zwischen den jeweils betroffenen Krankenkassen und dem Bundesversicherungsamt geklärt." BVA-Sprecher Tobias Schmidt sagte der dpa, es sei möglich, dass die Kassen die statistischen Auffälligkeiten ausreichend erklären könnten.

Die Bundesregierung reagierte gelassen. "Das ist ein Routineverfahren", sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). Habe es Fehler gegeben, müssten die betroffenen Kassen Geld zurückzahlen und hätten eine Strafe zu schultern.

apa.at

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