zur Navigation zum Inhalt
 
APA-Artikel 27. August 2013

CH: CS-Studie: Spitäler müssen vermehrt unternehmerisch handeln

Das Gesundheitswesen ist eine der grössten Branchen der Schweizer Volkswirtschaft und ein ausserordentlicher Wachstumssektor. Die Credit Suisse (CS) nimmt in ihrer neuesten Studie, die am Dienstag in Zürich vorgestellt wurde, den Spitalmarkt und den erwarteten Strukturwandel unter die Lupe.

Die Kosten des Gesundheitswesens beliefen sich im Jahr 2011 auf 11 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Die eidgenössische Finanzverwaltung rechnet damit, dass dieser Ausgabenanteil bis 2060 bei 16 Prozent liegen wird. 36 Prozent der Gesundheitsausgaben fallen in den Spitälern an, sagte Fredy Hasenmaile, Leiter Branchen-, Regionen- und Immobilienanalyse der CS vor den Medien.

Die Gesundheitsausgaben steigen aus demografischen Gründen. Doch der wichtigste Kostentreiber ist der technologische Fortschritt, also neue Behandlungs- und Diagnosemöglichkeiten. Um das künftige Kostenwachstum auffangen zu können, seien mehr Effizienz und unternehmerisches Handeln erforderlich, betonen die CS-Ökonomen.

Mehr Wettbewerb zwischen den Spitälern

Dies ist auch ein Ziel der neuen Spitalfinanzierung, die 2012 eingeführt wurde, und mit der ein stärkerer Wettbewerb zwischen den Spitälern angeregt werden soll. In welchem Ausmass dieser einsetzt, müsse sich noch zeigen.

Wenn der Wettbewerb tatsächlich greift, wovon die Studie "Gesundheitswesen Schweiz 2013 - Der Spitalmarkt im Wandel" ausgeht, würde die Entwicklung der regionalen Nachfrage und der Versorgungsdichte in Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Heute ist das Spitalangebot im Verhältnis zur Nachfrage in den Zentren und in grossen Teilen der Westschweiz überdurchschnittlich gross. Gemäss dem Prognosemodell der CS dürfte die Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen in den Spitälern vor allem im äusseren Agglomerationsgürtel von Zürich, in der Zentralschweiz und abgesehen von den Kernstädten Genf und Lausanne auch in der Genferseeregion wachsen.

Eine unterdurchschnittliche Entwicklung sei in vielen Randregionen aber auch im Raum Basel und Bern zu erwarten. In den Regionen mit einem niedrigen Nachfragewachstum und einer hohen Versorgungsdichte dürften vor allem kleinere Spitäler gezwungen sein, sich zu spezialisieren und mit anderen Institutionen, auch interkantonal, zu kooperieren.

Strukturwandel: Mehr Chancen als Risiken

"Einige Spitäler werden nicht finanzierbar sein," sagte Urs Gauch, Leiter KMU-Geschäft Schweiz der CS. Da die Ansprüche der Schweizer Bevölkerung an die Erreichbarkeit von Spitälern äussert hoch sei, werde die allfällige Schliessung von Spitalabteilungen oder gar Spitälern zu intensiven politischen Debatten führen, heisst es in der Studie.

Heute sei die Versorgungssituation "luxuriös". 98,4 Prozent der Bevölkerung können mit dem Auto ein Allgemeinspital innerhalb von 20 Minuten erreichen und viele kleine Spitäler bieten eine breite Palette von Behandlungen an.

Diese dichte Abdeckung hat laut Studie jedoch nicht nur Vorteile. Zum einen sei sie teuer, zum anderen führten viele kleine Spitäler bestimmte Behandlungen nur selten durch.

Es sei jedoch unbestritten, dass die Qualität der Behandlung vielfach mit der Fallzahl steige. Eine Konsolidierung sei daher nicht nur aus Effizienz- sondern auch aus Versorgungs- und Qualitätssicht wünschenswert.

Eine weitere Herausforderung für die Spitäler ist der bestehende Investitionsstau bei den Spitalimmobilien. So sind zurzeit schweizweit Bauprojekte im Umfang von rund 9 Milliarden Franken absehbar.

Dies dürfte nur die "Spitze des Eisbergs" sein, sagte Hasenmaile. Diesen Investitionsbedarf zu finanzieren und gleichzeitig die Kosten zu reduzieren, werde eine der grössten Herausforderungen der Zukunft sein.

Der Strukturwandel bietet laut CS-Studie insgesamt mehr Chancen als Risiken. Gute Ärzte und Mitarbeiter, Spezialisierung, Kooperationen, ausgewogene Formen der privatwirtschaftlichen Finanzierung und die richtige geografische Positionierung seien die Erfolgsfaktoren.

Das Spital der Zukunft sieht die CS als Gesundheitszentrum mit attraktiven Zusatzleistungen, bei dem unternehmerisches Handeln gefragt ist.

apa.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben