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APA-Artikel 27. August 2013

CH: Aargauer Volk entscheidet Streit um Medikamentenabgabe

Das Aargauer Volk entscheidet am 22. September darüber, wer den Patienten Medikamente abgeben darf. Zwei Volksinitiativen mit unterschiedlicher Stossrichtung gelangen zur Abstimmung: Apotheker wollen, dass Ärzte weiterhin keine Pillen abgeben dürfen. Die Ärzte wollen das Verbot streichen.

Regierung und das Kantonsparlament lehnen beide Volksinitiativen ab. Sie wollen am geltenden Verbot festhalten, wonach die Ärzte den Patienten keine Medikamente abgeben dürfen (Selbstdispensationsverbot).

Patienten müssen im Aargau ihre Rezepte für Pillen und Salben in den Apotheken einlösen. Ärzte dürfen Medikamente einzig im Notfall mitgeben oder unmittelbar anwenden. Das Parlament bestätigte diesen seit langem geltenden Grundsatz 2009 im revidierten Gesundheitsgesetz.

Der Aargauische Ärzteverband möchte das Selbstdispensationsverbot umstossen. Mit der Volksinitiative "Ja zur ärztlichen Medikamentenabgabe" wollen sie das Gesundheitsgesetz entsprechend ändern.

Es soll Ärzten im Grundsatz erlaubt sein, Medikamente abzugeben, also zu verkaufen. Die Patienten sollen die freie Wahl haben, ob sie ihre Pillen in einer Apotheke, Versandapotheke oder in einer Arztpraxis beziehen wollen.

Apotheker wehren sich gegen Ärzte

Als Reaktion auf dieses Begehren lancierte der Aargauische Apothekerverband die Volksinitiative "Miteinander statt Gegeneinander". Das Begehren will das Selbstdispensationsverbot in der Kantonsverfassung verankern.

Die Apotheker sammelten für ihre Initiative 51'405 gültige Unterschriften, während die Ärzte ihr Begehren mit 7994 Unterschriften einreichten.

Regierung und Parlament verzichteten darauf, einen Gegenvorschlag zu den Begehren auszuarbeiten. Das Volk solle entscheiden, heisst es unisono.

Die geltenden Spielregeln hätten sich bewährt. Das Verbot solle jedoch nicht gleich in die Kantonsverfassung geschrieben werden. Weniger als 20 Grossräte stimmten im Parlament jeweils für die Initiativen.

Viele Worte der Initianten

Die Ärzte stellen sich auf den Standpunkt, dass die Medikamentenabgabe in den Praxen "praktisch, sicher und günstig" sei. Die Patienten würden die freie Wahl haben. Vor allem Hausärzte machen sich Hoffnung, dank der Medikamentenabgabe ihre Einkommen aufzubessern.

Die Apotheker halten dagegen, die Zusammenarbeit zwischen ihnen und den Ärzten habe sich bewährt und erhöhe für die Patienten die Sicherheit. Es bestehe eine flächendeckende medizinische Grundversorgung. Alles funktioniere gut dank des Miteinanders aller Gesundheitsberufe. Im Kanton gibt es über 100 Apotheken.

Wie das Volk entscheiden wird, ist schwer vorauszusagen. In der Bevölkerung wirft die Abstimmung keine hohe Wellen, und die politischen Parteien beschäftigen sich eher lustlos mit dem Thema. Dafür kämpfen die Urheber der beiden Initiativen mit viel Einsatz und noch mehr Worten für ihre Interessen.

Es ist theoretisch möglich, dass das Stimmvolk beide Initiativen gutheisst. Dann hätten die Apotheker gewonnen: Ihre Verfassungsinitiative hat mehr Gewicht als die Gesetzesinitiative der Ärzte.

Neun Kantone verbieten Pillenabgabe durch Ärzte

Der Kanton Aargau ist mit seinen geltenden Regeln in der Minderheit. In neun Kantonen wird zwischen der Verschreibung und der Abgabe von Arzneimitteln unterschieden.

Die Kantone Bern, Graubünden und Schaffhausen kennen Mischsysteme. In allen übrigen Kantonen ist die Selbstdispensation ohne Einschränkung erlaubt, darunter in den Nachbarkantonen Baselstadt, Luzern, Zürich und Solothurn. Das Zürcher Stimmvolk hatte 2008 eine Initiative mit dem Titel "Ja zur Wahlfreiheit beim Medikamentenbezug" angenommen.

apa.at

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