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APA-Artikel 13. August 2013

Medizin-Fakultät Linz - Anhaltende Kritik an Projekt

Ungeachtet des Regierungsbeschlusses über die Medizin-Fakultät an der Universität Linz gibt es anhaltende Kritik an dem Projekt. Für die Universitätenkonferenz (uniko) ist der Beschluss "unbefriedigend". Das Bekenntnis der Regierung zur Stärkung des tertiären Sektors ist den Rektoren zu unbestimmt und "zu wenig", kritisierte uniko-Präsident Heinrich Schmidinger in einer Aussendung. Auch die Fachhochschul-Konferenz (FHK) fordert die Erfüllung der Bedingungen der Hochschulkonferenz, für die Industriellenvereinigung ist das Projekt "fragwürdig". Die Hochschülerschaft wirft Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) "Verrat am gesamten Hochschulsektor" vor.

Die uniko kritisiert, dass es "keinerlei Verpflichtung der Regierungsmitglieder" gebe, die von der Hochschulkonferenz aufgestellten Bedingungen - etwa zusätzliche Mittel für die Unis ab 2016 und mehr Fachhochschul-Studienplätze ab 2015 - auch in die Tat umzusetzen. Deshalb müssten diese Punkte jedenfalls vor dem Beschluss über die Linzer Medizin-Fakultät im Nationalrat konkretisiert werden.

Auch die FHK erwartet sich von Töchterle vor dem Beschluss im Nationalrat genaue Zahlen zur Entwicklung des Fachhochschul-Sektors, "andernfalls wäre die Formulierung von Bedingungen durch die Hochschulkonferenz sinnlos gewesen", betonte FHK-Präsident Helmut Holzinger. Die Valorisierung der Bundesförderung und das vereinbarte dynamische Wachstum müssen endlich in einem Fachhochschulentwicklungs- und -Finanzierungplan fixiert und umgehend beschlossen werden.

"Vertrauensbruch" wirft die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) Töchterle vor. Der Minister habe der Hochschulkonferenz versprochen, einer medizinischen Fakultät erst dann zuzustimmen, wenn sämtliche Bedingungen des Gremiums erfüllt seien. Bisher sei jedoch noch keine einzige dieser Bedingungen auch nur annähernd realisiert, "Töchterle begeht damit Verrat am gesamten Hochschulsektor", so Florian Kraushofer vom ÖH-Vorsitzteam.

Die Industriellenvereinigung (IV) verwies auf den Personalmangel in den Bereichen Technik, Produktion, Forschung und Entwicklung, der das Wachstum bremse. Deshalb müsste der naturwissenschaftlich-technische Bereich gestärkt werden, "warum aber budgetäre Mittel für eine weitere medizinische Fakultät verwendet werden, ist nicht verständlich", betonte IV-Vize-Generalsekretär, Peter Koren, der auch einen neuen Finanzierungs- und Entwicklungsplan für die Fachhochschulen einforderte.

Zurückhaltend gibt sich der Wissenschaftsrat in Sachen Medizin-Fakultät. Die Entscheidung der Regierung sei "zur Kenntnis zu nehmen". Das Gremium verweist auf seine Skepsis gegenüber dem Vorhaben, es werde an der künftigen Regierung liegen, die dafür erforderlichen Voraussetzungen zu schaffen, vor allem in finanzieller Hinsicht und im Gesamtzusammenhang des unterfinanzierten österreichischen Universitätssystems. Wenn die Bedingungen der Hochschulkonferenz nicht umgesetzt werden, würden die heutigen Bekenntnisse zahnlos bleiben.

Deutlich kritischer sieht der Wissenschaftsrat das Promotionsrecht an der Donau Universität Krems. Dort seien die Bedingungen "gegenwärtig nicht gegeben, um international vergleichbare, wissenschaftliche Doktoratsstudien, wie sie an Österreichs Universitäten durchgeführt werden, anzubieten". Das Beratungsgremium bedauert die aus seiner Sicht voreilige Vorgangsweise.

apa.at

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