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APA-Artikel 13. August 2013

Gesundheit: Konzept "Patienten im Mittelpunkt" vorgestellt

"Das österreichische Gesundheitssystem hat einen ausgezeichneten Ruf, ist aber auch für seinen hohen Mitteleinsatz bekannt: Vor diesem Hintergrund und den stetigen Bemühungen einer Gesundheitsreform - haben Experten der Wirtschaftskammer und der Arbeiterkammer gemeinsam mit der Patientenanwaltschaft ein Konzept erstellt, das mit aller Konsequenz die Patienten in den Mittelpunkt weiterer notwendiger Reformschritte stellt. Heute, Dienstag, präsentierten Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Gesundheits- und Sozialpolitik der Wirtschaftskammer Österreich, der niederösterreichische Patienten- und Pflegeanwaltschaft Gerald Bachinger und Bernhard Rupp, Leiter der Abteilung Gesundheitswesen in der Arbeiterkammer Niederösterreich das Reformkonzept "Gesundheit 2020 - Patienten im Mittelpunkt" vor Medienvertretern.

Das Grundsatzpapier ist in sechs klare Handlungsbereiche gegliedert: Im Zentrum des ersten Maßnahmenblocks stehen die Bemühungen um mehr gesunde Lebensjahre. "Denn in Österreich gehen bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von mehr als 80 Jahren mehr als 20 Jahre an Lebensqualität durch Krankheit verloren. In der Gesundheitsförderung und Prävention liegt der Schlüssel zu einem langen und beschwerdefreien Leben, wie auch in der Verbesserung in der Behandlung der chronischen Erkrankungen. Als positives Beispiel zur Stärkung der Gesundheitskompetenz kann die erfolgreiche Implementierung des Anreizmodells SVA-Gesundheitsversicherung dienen", so Gleitsmann.

Bezugnehmend auf den zweiten Handlungsbereich "Information und Transparenz" schilderte Patientenanwalt Bachinger, "dass Patienten im Dschungel der verschiedenen Einrichtungen frei wählen können, aber dadurch oft auf der falschen Versorgungsstufe landen. Das führt zum Verschieben von Patienten, suboptimaler Qualität, Patientenunzufriedenheit und ökonomisch vermeidbaren und unnötigen Zusatzkosten. Als vorbildhaft schilderte er Telefon- und webbasierte Erstberatungsservices wie etwa NHS Direct in Großbritannien oder MedGate in der Schweiz. Auch der erst kürzlich beschlossene Bundeszielsteuerungsvertrag sieht die Einrichtung solcher Erstberatungsangebote via Telefon und Internet vor.

Der dritte Handlungsbereich hat die bestmögliche Behandlungsqualität und Patientensicherheit zum Thema: "Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt auf, dass die medizinische Qualität und fachliche Ergebnisqualität ist der wichtigste Entscheidungsfaktor", so Bachinger.

Bernhard Rupp, Leiter der Abteilung Gesundheitswesen der AK Niederösterreich, hielt mit Blick auf den vierten Handlungsbereich - "Zugang zum Gesundheitswesen" - fest, "dass freier Zugang auf allen Versorgungsebenen nicht optimale Versorgungsqualität bedeutet." Daher gelte es, angemessene evidenzgesicherte Anreizsysteme für Patienten zu etablieren, um Behandlungen auf der richtigen Versorgungsebene zu fördern. Die Schaffung bzw. Wiederherstellung nachhaltiger vertrauensvoller Beziehungen zwischen Patienten und Gesundheitsdienstleistern besonders im Bereich der Primärversorgung ist anzustreben." Und: "Um den Zugang zu innovativen - evidenzgesichert hochwirksamen - Medikamenten und Medizinprodukten auch weiterhin für die gesamte Bevölkerung sicherzustellen ist auf der Ebene der Entscheidungsträger Transparenz zur wissenschaftlichen Nachvollziehbarkeit einzufordern."

Handlungsfeld 5 des Konzeptes "Patienten im Mittelpunkt" betrifft die Eigenverantwortung der Menschen: Bernhard Rupp sagte in dem Zusammenhang: "Das Gesundheitssystem kann nur zu 20 bis 30 Prozent zur Gesundheit beitragen, der weitaus überwiegende Prozentsatz wird durch den persönlichen Lebensstil, die Genetik und andere Faktoren wie etwa Umwelt etc. beeinflusst. Eigenverantwortung setzt Befähigung und Kompetenzen der Betroffenen voraus wobei die Bildungs- und Gesundheitspolitik besonders gefordert sind. Aus Sicht der Patienten sind Transparenz und angemessene Information zu medizinischen Maßnahmen einzufordern."

Nicht außer Acht zu lassen ist auch die im Handlungsfeld 6 von "Patienten im Mittelpunkt" festgeschriebene Nachhaltigkeit: "Zur Sicherung einer nachhaltigen Finanzierung des Gesundheitssystems und zum Nutzen der Patienten müssen künftig Effizienzpotenziale gehoben werden, denn Ineffizienz und in weitere Folge Rationierungen schaden letztlich vor allem den Ärmsten. Es muss gelingen einen Wettbewerb um die bessere Qualität zu entfachen", unterstrich Gleitsmann.

"Der Bundeszielsteuerungsvertrag zur laufenden Gesundheitsreform in Österreich ist ein wichtiger Meilenstein und ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung für die Patienten", so Gleitsmann. Jetzt gelte es, diesen Vertrag mit Leben zu erfüllen und die Weichen für konkrete Umsetzungsschritte zu stellen, in deren Fokus ganz klar die Patienten stehen müssen. Dabei können die heute von uns präsentierten Vorschläge und Best-Practice-Beispiele helfen", so der Initiator von "Patient im Mittelpunkt", Gleitsmann, abschließend.

apa.at

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