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APA-Artikel 7. August 2013

D: Sprachbarrieren erschweren Ärzte-Anwerbung im Ausland

Medizinisches Personal ist in NRW knapp. Krankenhäuser werben Jungärzte und Pfleger schon gezielt im Ausland an. Aber jetzt sollen die Sprachtests für die ausländischen Fachkräfte verschärft werden.

Nordrhein-Westfalen wappnet sich für den Ärzte- und Pflegermangel. Fachkräfte werden gezielt im Ausland angeworben. Bereits zum zweiten Mal richten das Land, die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW) und die Ärztekammern im Herbst eine Jobmesse im griechischen Thessaloniki aus. Manche Kliniken haben die Messe bereits erfolgreich als Kontaktbörse genutzt. Im vergangenen Jahr etwa unterschrieben 15 Jungärzte aus Griechenland direkt auf der Messe ihre Verträge. In NRW wollen sie demnächst als Assistenzärzte arbeiten.

Davor müssen die 15 aber noch einmal die Schulbank drücken. Momentan pauken sie intensiv Deutsch in Düsseldorf. Mitte August legen die Jungärzte ihre Fachsprache-Prüfung vor der Bezirksregierung ab. Erst dann wird ihre Approbation, also ihr Abschluss zum Arzt, anerkannt. Aktuell sind in NRW 20 Kurse mit 189 Kandidaten geplant oder laufen bereits. Nicht jeder besteht die Prüfung. Die Nachwuchsmediziner müssen sich eine Viertelstunde in einen Text einlesen, dann wird ein Patientengespräch simuliert und ein Arztbrief geschrieben.

Solch ein Sprachtest soll bald bundeseinheitlich gelten. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hält das auch für notwendig. "Missverständnisse aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse können im Gesundheitssystem fatale Folgen haben. Damit es hierbei keine Niveauunterschiede gibt, wollen die Länder jetzt einheitliche Prüfstandards entwickeln", hatte sie kürzlich gesagt.

Inzwischen hat die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) ein Eckpunktepapier in Auftrag gegeben. Zu dem bundesweit verbindlichen Test könnte noch eine weitere Hürde hinzukommen. Wer den Test nicht besteht, soll - anders als bisher - bis zur Wiederholungsprüfung nicht mehr im Krankenhaus als Arzt arbeiten. Höchstens vielleicht als Gastarzt, der anderen Ärzten über die Schulter schauen darf.

Klinikmanager Stefan Grave aus dem Dortmunder Knappschaftskrankenhaus, das zum Klinikum Westfalen gehört, ist skeptisch. "Das macht Deutschland nicht unbedingt für Ärzte attraktiver", sagt Grave. Im Vergleich zu Großbritannien oder den skandinavischen Ländern sei das schon eine Hürde. Dabei fehlen laut KGNW allein in NRW rund 1000 Ärzte. Mittlerweile stamme jeder achte Klinikarzt im bevölkerungsreichsten Bundesland aus dem Ausland, so die Gesellschaft.

Dazu gehört auch Assistenzärztin Boshra Khadoura aus Libyen. Ihre Approbation hat sie schon in der Tasche. Sie will Kardiologin werden. Seit drei Jahren lebt sie mit ihrer Familie in Deutschland. Etwa fünf Jahre dauert es, bis aus einem Assistenzarzt ein Facharzt wird. Khadoura absolviert einen speziellen Sprachkurs an der Volkshochschule Dortmund. Fünf solcher Seminare bietet die VHS allein zum Spätsommer an. Einer ist nur für Psychiater.

"Ich möchte die Feinheiten der deutschen Sprache lernen", sagt Khadoura. Grammatik spielt eine Rolle. Aber im Mittelpunkt stehen die Unterhaltung mit den Patienten und der Arztbrief. Die medizinisch geschulten VHS-Lehrer üben das wochenlang: In Rollenspielen, Arztbrief-Schreiben oder der Analyse von Begleitfilmen. 28 Wochen müssen Khadoura und sechs weitere Assistenzärzte den Kurs besuchen, jeweils elf Einheiten zu 45 Minuten in der Woche.

In Thessaloniki hat das Knappschaftskrankenhaus auch Kontakt zu Pflegern geknüpft. 14 Fachkräfte mit einer zwei- oder vierjährigen Hochschulausbildung wurden angeworben. Den einfacheren B1-Sprachkurs haben sie bereits in Griechenland gemacht. Seit Juni lernen sie in Dortmund für die B2-Prüfung. Mit der Arbeit müssen sie aber nicht warten, bis sie ihren Abschluss in der Tasche haben. Je nach Ausbildungsstand werden sie schon zuvor eingesetzt, zum Beispiel als Hilfskraft. "Bezahlt werden sie wie alle deutschen Kräfte", versichert Grave.

Die Kliniken werben laut Grave Personal meist in Ländern mit Medizinerüberschuss an, beispielsweise in Griechenland. Auch für Jungärzte aus Österreich seien deutsche Krankenhäuser interessant. In ihrer Heimat müssten sie in der Regel länger als hierzulande auf eine Stelle als Assistenzarzt warten.

Von Wolfgang Dahlmann, dpa

apa.at

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