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APA-Artikel 2. August 2013

AK-Kritik an Personalverleihern: "Drücken sich um Entgeltfortzahlung"

Die Arbeiterkammer (AK) Oberösterreich hat am Freitag die Personalleasingbranche bzw. deren "schwarze Schafe" scharf kritisiert. Viele Firmen würden sich bei kranken Mitarbeitern um die Entgeltfortzahlung drücken und die Kosten dafür auf die Allgemeinheit abwälzen, so Präsident Johann Kalliauer in einer Pressekonferenz. Gemeinsam mit der Leiterin der neuen Stabsstelle Arbeitsbedingungen, Dagmar Andree, präsentierte er einen Forderungskatalog, der Leiharbeitnehmer aus dem Status der Belegschaft zweiter Klasse heraushelfen soll.

"Es reißt in der Branche die Unsitte ein, dass bei jeder sich bietenden Gelegenheit das Beschäftigungsverhältnis aufgelöst wird", sagte Kalliauer. So würden Arbeitnehmer vor der Sommerpause gedrängt zu kündigen, mit dem Versprechen nachher wieder eingesetzt zu werden. "Nach dem Motto: Wenn du nicht mitspielst, bist du beim nächsten Mal nicht mehr dabei." Laut einer Studie der L&R Sozialforschung seien 40 Prozent mit der vermeintlich einvernehmlichen Lösung nicht einverstanden, so Andree.

Bei Krankenständen würden die Beschäftigten ebenfalls zu einer einvernehmlichen Auflösung des Verhältnisses gedrängt. Die Ansicht vieler Unternehmen sei: "Das soll lieber die Kassa zahlen", kritisierte Kalliauer. Denn bei einer einvernehmlichen Kündigung müsse der Dienstgeber keine Entgeltfortzahlung leisten, sondern die Krankenkasse bezahle Krankengeld. Nach Schätzung der AK entstehen der Allgemeinheit in Oberösterreich dadurch 2,78 Mio. Euro Schaden pro Jahr.

Viele Betriebe in der Branche würden sauber arbeiten, betonte Kalliauer, "aber es gibt sicherlich einige Spezialisten". Natürlich sei die Insolvenzanfälligkeit bei Personalverleihern derzeit hoch, räumte er ein, aber viele würden am Markt rasch auftauchen, schnell wachsen "und alle Spielregeln vergessen".

Das zweite Problem, das die AK sieht, ist, dass Leasingbeschäftigte auch öfter krank sind. Während die Oö. Gebietskrankenkasse etwa 26 Spitalstage pro 1.000 regulärer Arbeiter und Jahr verzeichnet, sind es bei Leasingarbeitern 44. Auch psychische Leiden seien häufiger, so Andree. Generell würden Leiharbeiter eher für krankmachende und belastende Aufgaben eingesetzt als das Stammpersonal. Auch die Zwei-Klassen-Einteilung in vielen Betrieben, etwa durch unterschiedliche Kleidung, oder die Abrechnung als Sachaufwand seien für die Betroffenen nicht so einfach wegzustecken.

Die AK verlangt daher die Wiedereinführung des unter Schwarz-Blau abgeschafften, von den Unternehmen über eine Umlage gespeisten Entgeltfortzahlungsfonds. Dieser wäre auch motivierend für Firmen, die ältere und kranke Arbeitnehmer behalten wollen, betonte Andree. Zudem sollen Betriebe maximal 10 Prozent Leiharbeitskräfte beschäftigen dürfen und ihnen nach einer gewissen Zeit ein Übernahmeangebot machen müssen. Die Abrechnung der Leasingbelegschaft solle nicht als Sachaufwand, sondern als Personalkosten erfolgen, fordert die AK.

apa.at

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