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APA-Artikel 29. Juli 2013

Mutter-Kind-Pass: 40-jährige Erfolgsgeschichte nicht aufs Spiel setzen

Der Mutter-Kind-Pass sei eine Erfolgsgeschichte, die man nicht leichtfertig aufs Spiel setzen solle, sagte Thomas Fiedler, Obmann der Bundesfachgruppe Gynäkologie in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), am Samstag in einer Aussendung. In den vergangenen vierzig Jahren konnte die Zielsetzung des Mutter-Kind-Passes - Gesundheitsrisiken für Schwangere und Kind rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln - klar erreicht werden. So wurde die Säuglingssterblichkeit deutlich gesenkt: Im ersten Jahrzehnt (1974-1983) nach Einführung des Mutter-Kind-Passes war sie noch viermal so hoch wie im vergangenen Jahrzehnt. Auch das Risiko, infolge einer Schwangerschaft oder Entbindung zu sterben, war damals sechsmal höher als heute.

Die Leistungen des 1974 eingeführten Programms wurden auch auf Betreiben der ÖÄK immer wieder erweitert und dank der fachlichen Begleitung durch die Mutter-Kind-Pass-Kommission dem medizinischen Fortschritt angepasst. Es sei bedauerlich, so Fiedler, dass die Kommission im Vorjahr abgeschafft wurde. Auch die seit sechzehn Jahren stagnierenden Tarife für Mutter-Kind-Pass-Leistungen seien nicht mehr tragbar, sagten Fiedler und der stellvertretende Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte, Gert Wiegele - insbesondere angesichts der Einführung neuer Hebammenleistungen.

Fachliche Begleitung sichern - Bewusstsein schaffen

Wesentliche Fortschritte hätten die Integration von Hörprüfungen in den Mutter-Kind-Pass und das frühzeitige Erkennen von Hörstörungen mit sich gebracht, sagte der Kinderarzt und Psychotherapeut Ernst Wenger, ÖÄK-Fachgruppenobmann für Kinder- und Jugendheilkunde. Weitere Untersuchungen, wie die Ultraschalluntersuchung der Hüften oder die Augenuntersuchung, hätten die Gesundheitsbedingungen der Kinder verbessert. "Die frühe Diagnose von kognitiven oder psychosozialen Entwicklungsstörungen führen zu rechtzeitiger Unterstützung und Hilfe für die Kinder", so Wenger.

Diese Erfolge basierten vor allem auf der guten Zusammenarbeit zwischen Gesundheitspolitik und Experten. Umso bedauerlicher sei es, so Wenger, dass es die Mutter-Kind-Pass-Kommission als beratendes wissenschaftliches Gremium nun nicht mehr gebe. "Wir hoffen, dass das Gesundheitsministerium die Entscheidung überdenkt und wieder ein beratendes Gremium beruft, sodass der medizinische Fortschritt auch in Zukunft den werdenden Müttern und Kindern zugutekommt", erklärte der Experte.

Zudem wäre auch eine Aufklärungsinitiative dringend nötig, um den Eltern wieder bewusst zu machen, wie wichtig die Untersuchung im Kleinkindesalter gerade im Hinblick auf die sprachliche und kognitive Entwicklung sowie die Gesundheit von Augen und Gehör sei. Auch ein Anreizsystem sei vorstellbar.

Sinnvolle Hebammenberatung umsetzen - Tarife anpassen

Hebammen könnten wohl wichtige Beratungen durchführen, angefangen bei der richtigen Ernährung und Bewegung während der Schwangerschaft bis hin zur Babypflege. "Das wäre eine wirklich sinnvolle Ergänzung der ärztlichen Leistungen", so Fiedler. Die kürzlich im Parlament beschlossene Entbindungsberatung durch Hebammen zwischen der 18. und 22. Schwangerschaftswoche sei hingegen kontraproduktiv: "Das ist viel zu früh und könnte werdende Mütter unnötig verunsichern." In diesem Zusammenhang forderten Fiedler und der stellvertretende Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte, Gert Wiegele, eine Inflationsanpassung der ärztlichen Tarife für Mutter-Kind-Pass-Leistungen: "Die letzte Anpassung fand 1997 statt, seither fehlt angeblich das Geld dazu. Das ist unglaubwürdig und geradezu ein Affront, wenn gleichzeitig für die neue Hebammenberatung erhebliche finanzielle Mittel da sind", so die Experten abschließend.

apa.at

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