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APA-Artikel 25. Juli 2013

Alkoholismus-Studie: AKNÖ sieht Problem nach wie vor unterschätzt

AKNÖ-ExpertInnen begrüßen die heute präsentierte Studie über die volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Alkoholkrankheit des IHS als sachlichen Beitrag zu einer "überfälligen Debatte". Die Ergebnisse würden zeigen, dass das Problem nach wie vor unterschätzt sei. Vor allem in Klein- und Mittelbetrieben müssten Aufklärungs- und Betreuungsangebote verstärkt werden, sagt auch AKNÖ-Präsident Hermann Haneder.

8.000 Menschen sterben in Österreich an Alkoholkrankheit - jedes Jahr. Und gut zehn Prozent der Bevölkerung erkranken im Lauf ihres Lebens zumindest einmal daran. Das zeigt eine Studie über die volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Alkoholkrankheit, die das Institut für Höhere Studien (IHS) heute präsentiert hat. Neben dem menschlichen Leid für Betroffene und Angehörige kostet die Krankheit Österreichs Gesundheitssystem und Wirtschaft 740 Millionen Euro im Jahr, erklärt AKNÖ-Gesundheitsexperte Bernhard Rupp: "Die Zahlen des IHS zeigen deutlich: Der Großteil der Kranken ist im berufsfähigen Alter. Die Betroffenen sind öfter im Krankenstand, sind häufig nicht so leistungsfähig, haben deutlich mehr Unfälle und müssen aus gesundheitlichen Gründen früher in Pension. Dazu kommen die erhöhten Behandlungskosten."

Gleichzeitig attestiert der Experte, dass in den vergangenen Jahren eine Bewusstseinsänderung eingesetzt hat: "Wir sind noch weit weg vom Idealzustand, aber die Menschen gehen heute bewusster mit Alkohol um." Der durchschnittliche Alkoholkonsum in Niederösterreich ist pro Kopf innerhalb von 15 Jahren um ein gutes Viertel gesunken, sagt Rupp. "Das ist ein gutes Zeichen." Das ändere aber nichts daran, dass Alkoholkrankheit nach wie vor ein unterschätztes Problem sei. "Vielen Frauen ist zum Beispiel nach wie vor nicht bewusst, dass Alkohol die häufigste nicht-genetische Ursache einer körperlichen und psychischen Entwicklungsverzögerung - oder Störung bei Kindern ist". Hier sei mehr Aufklärung notwendig.

Auch in den Betrieben müsse es mehr Aufklärung und Hilfe geben, sagt AKNÖ-Präsident Hermann Haneder. "Am Arbeitsplatz kann man die Menschen erreichen. Wir versuchen mit speziellen Schulungsangeboten, BetriebsrätInnen zu sensibilisieren, damit sie KollegInnen helfen können, die Probleme mit Alkohol haben." In vielen Klein- und Mittelbetrieben sei das nicht möglich. "Wenn ein Betrieb zu klein für einen Betriebsrat ist, wird das schwieriger. Ohne Hilfe von außen ist es nur verständlich, dass sich zum Beispiel ein Unternehmer schwer tut, mit der Alkoholkrankheit eines Kollegen umzugehen. Das ist emotional sehr belastend. Hier wäre es toll, wenn die Wirtschaftskammer ähnliche Schulungsprogramme für UnternehmerInnen anbieten könnte. Unsere ExpertInnen helfen da gerne. Wir alle haben ein Interesse daran, Betroffenen zu helfen und einen Beitrag zu leisten, damit es weniger Alkoholkranke im Land gibt."

apa.at

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