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APA-Artikel 19. Juli 2013

Wiener Abtreibungsärztin - Sigrid Pilz will ÖÄK ohne Prüfkompetenzen

Als Konsequenz aus der Causa rund um die Wiener Abtreibungsärztin hat der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Artur Wechselberger, gegenüber dem Radiosender Ö1 eine Neuregelung der Kontrollen genannt, raschere Konsequenzen gefordert - weiterhin mit der ÖAK als ausübende Behörde. Entscheidungen sollten binnen Stunden getroffen werden können, sagte Wechselberger am Freitag. "Die Ärztekammer hätte bereits innerhalb von Jahrzehnten reagieren können", konterte die Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz auf APA-Anfrage in Bezug auf den aktuellen Fall und forderte, dass der ÖAK die Prüfkompetenzen entzogen werden.

Zwar würde die Patientenanwältin Wechselbergers Vorschläge teilen, doch sei "der niedergelassene Bereich eine 'Black Box'". Was die Abtreibungsärztin betrifft, hätte die Ärztekammer-Gesellschaft für Qualitätsmanagement ÖQMed auch im Rahmen ihres jetzigen Mandates längst tätig werden können. Pilz warf den Verantwortlichen ein "schulterzuckendes Hinnehmen" der Missstände vor, die sie bereits im Herbst 2012 in schriftlicher wie auch mündlicher Form zur Kenntnis gebracht habe.

Das vor einer Woche per Aussendung an Pilz ergangene Replik der ÖAK, "ihre schwerwiegenden Vorwürfe seien ein Fall für Sachverhaltsdarstellungen" an die zuständigen Behörden, gingen am eigentlichen Problem vorbei. "Man kann nicht erst tätig werden, wenn ein Arzt ein Fall für den Strafrichter ist", sagte Pilz, "denn Strafanzeigen prüft das Gericht, aber die Frage der Qualitätssicherung obliegt der Ärztekammer."

Hier gebe es ihrer Meinung nach enorme Mängel: "Man macht der Bevölkerung vor, dass die Qualität gesichert wird", doch seien Stichproben zu klein und die Selbstevaluierung der niedergelassenen Ärzte per ÖQMed-Fragebögen könne nur ein Instrument von vielen sein. "Unerwünschte Ereignisse für die Patientensicherheit werden zwar abgefragt, aber nicht ausgewiesen", lautete ein weiterer Vorwurf. Stattdessen sollten die Erkenntnisse der ÖQMed auch der Patienteninformation dienen, was gegenwärtig aber nicht der Fall sei.

Bei einer Häufung von Komplikationen solle - wie in Deutschland bereits praktiziert - mit einem sogenannten Peer-Review reagiert werden, wobei eine unabhängige Behörde tätig wird, um die Behandlungsqualität zu sichern. "Genau diese Häufung hätte im Fall der Abtreibungsärztin der ÖQMed auffallen müssen", schloss Pilz, die auch das ÖAK-Argument, dass nur Ärzte einander kontrollieren könnten, so nicht gelten lassen wollte.

Es ginge in der Debatte nicht darum, die Ärzte in Angst zu versetzen, sondern in einem gemeinsamen Vorgehen - inklusive nicht angekündigter Überprüfungen der Praxen - möglichst hohe Qualitätsstandards zu sichern. Die Zusammenarbeit der Patientenanwaltschaft mit den niedergelassenen Ärzten sei aber gut: "80 Prozent geben uns bei Bedarf die Befunde, da bei etwaigen Behandlungsfehlern eine außergerichtliche Lösung im Sinne aller Beteiligten ist."

apa.at

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