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APA-Artikel 18. Juli 2013

Neue Notfallambulanz Brüder. Schwestern. Linz

"Ab Donnerstag 18. Juli werden die Akutpatienten der Notfallambulanz der Krankenhäuser Barmherzige Brüder (BHB) und Barmherzigen Schwestern (BHS) nach dem Manchester Triage System (MTS) ersteingeschätzt und somit präzise der Dringlichkeit ihrer Erkrankung entsprechend behandelt", erklärt Univ.-Prof. Prim. Dr. Martin Clodi, Abteilungsleiter Innere Medizin, Konventhospital Barmherzige Brüder (BHB) Linz und Projektleiter "Neue Notfallambulanz (NFA)". "Dieses international erprobte Verfahren garantiert jedem Patienten unserer Krankenhäuser die eheste und beste Behandlung der Dringlichkeit seiner Krankheit entsprechend. Nicht dringliche Patienten werden schon im Rahmen der Ersteinschätzung nach MTS über die voraussichtliche Wartezeit informiert", so Clodi weiter.

Bei dem neu etablierten System handelt es sich um ein validiertes und von internationalen Fachgesellschaften anerkanntes Instrument der Dringlichkeitseinschätzung von Notfallpatienten zur Steuerung des Patientenflusses. "Zielsetzung ist aus der hohen Anzahl an Patienten, die sich als Notfall fühlen und die Notfallambulanz des Krankenhauses aufsuchen, diejenigen treffsicher herauszufiltern, deren Behandlung medizinisch objektiviert keinen Aufschub zulässt", führt Univ.-Prof. Prim. Dr. Peter Siostrzonek, Abteilungsleiter Innere Medizin II, Krankenhaus Barmherzige Schwestern (BHS) Linz weiter aus. Hierdurch könne es für Patienten, welche eine Betreuung nicht so rasch benötigen, zu längeren Wartezeiten kommen.

"Das MTS erhebt gezielt Vitalparameter an jedem Patienten und ordnet seine Beschwerden einem breiten Spektrum an Präsentationsdiagrammen (z.B. Brustschmerz, Atemnot, Kopfschmerz) zu. Die Behandlungsdringlichkeit wird mit Hilfe von vordefinierten Indikatoren (z.B. kardialer Schmerz, gefährdeter Atemweg, akutes neurologisches Defizit) festgestellt. Die Einteilung erfolgt somit nicht durch eine Diagnose, die so früh noch nicht möglich wäre, sondern nach dem Beschwerdebild und der Dringlichkeit anhand objektivierter Parameter", erläutert OA Dr. Fritz Firlinger, Leitender Facharzt NFA, BHB. Als Pflegeinstrument hilft MTS der Diplomkraft beim Erstkontakt mit dem Patienten, treffsicher eine Einteilung in eine von fünf Dringlichkeitsstufen vorzunehmen, deren maximale Wartezeit bis zum ersten Arztkontakt präzise geregelt ist. Bei Überschreitung dieses Grenzwertes wegen sehr hohem Patientenandrang wird der Patient neuerlich dem MTS Prozess unterzogen.

Warum ist das MTS sinnvoll? Im internationalen Vergleich gibt es unterschiedliche Systeme zur Festlegung von Behandlungsprioritäten in Notfallambulanzen. Diese basieren einerseits auf unterschiedlichen Merkmalen, hängen vom persönlichen Empfinden der Triagekraft ab und haben andererseits unterschiedliche Zeitfenster. Auch die Anzahl der möglichen Stufen der Gruppierung variieren. "Wir haben uns für die Einführung des MTS entschieden weil es eine Etablierung einheitlicher und verlässlicher Versorgungsstandards garantiert. Der Patient, der eine Behandlung im Vergleich zu anderen am notwendigsten hat, wird auch als erster versorgt. Zusätzlich wird auch eine schnelle, einfache und aussagefähige Dokumentation möglich", erklären die beiden Intensivmediziner Firlinger und Kiblböck.

Hintergrund des MTS Das MTS wurde 1994 von ärztlichen und pflegerischen Mitarbeitern der Notfallambulanzen von acht Krankenhäusern in Manchester entwickelt. 1995 erfolgte die Pilotierung in Großbritannien. Seitdem erfährt das System internationale Verbreitung und wird unter anderem in Deutschland und den Niederlanden verwendet. 2005 wurde es unter Berücksichtigung des medizinischen Fortschritts und der Erfahrung aus den ersten zehn Jahren überarbeitet und ergänzt. Es wurde eine "International Reference Group" gegründet, welche sich aus Vertretern aller nationalen Anwendergruppen zusammensetzt, die in dieser Form der Zusammenarbeit weltweit einzigartig ist. Einmal jährlich wird in einer gemeinsamen Konferenz das System weiterentwickelt, führt Dr. Daniel Kiblböck, stellvertretender Projektleiter für die Expertengruppe MTS des Projektes NFA, BHS weiter aus.

Bauliche und personelle Maßnahmen am Standort Seilerstätte "In der neuen Notfallambulanz wird an bis zu drei eigens eingerichteten MTS-Arbeitsplätzen (je nach Patientenaufkommen) durch zwei eigens geschulten Pflegekräften getrennt nach gehenden und sitzend/liegenden Patienten ersteingeschätzt. Der zuständige Facharzt/Assistenzarzt/Allgemeinmediziner ist Ansprechpartner für die Pflege. Im Zuge des Umbaus wurde der Schockraum nach hinten verlegt, um im Wartebereich für die Ersteinschätzung durch die Pflege zusätzliche Räumlichkeiten zu schaffen", so Prof. Siostrzonek.

Brüder und Schwestern versehen zwei Drittel der Aufnahmedienste in Linz Die Zahl der Notfallpatienten ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich angestiegen. 2012 wurden 34.500 Patienten versorgt, das ist ein Anstieg von rund 10 Prozent, das sind 3.000 Patienten, im Vergleich zum Vorjahr (siehe Tabelle unten). Diesen Trend verzeichnen alle Krankenhäuser in ihren Notfallambulanzen. Brüder und Schwestern tragen mit der Einführung des MTS diesem Trend Rechnung, damit die dringlichen Patienten, die tatsächlich einer Krankenhausbehandlung bedürfen, nicht aufgrund der hohen Patientenzahlen und langer Wartezeiten gesundheitliche Nachteile durch verzögerte Erstbehandlung erleiden, sagt Prof. Clodi.

apa.at

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