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APA-Artikel 15. Juli 2013

Ärztinnen des LKH Graz vor Gericht: Operation an falscher Hüfte

Nach einer Operation an einer gesunden Hüfte einer 84-jährigen Patientin haben sich am Montag zwei Ärztinnen des LKH Graz im Straflandesgericht Graz wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten müssen. Die 39-jährige Unfallchirurgin gestand, sich vor der OP nicht alle Unterlagen der Krankengeschichte angesehen zu haben. Ihr 35-jährige Assistenzärztin, die für die Anästhesie zuständig war, bekannte sich nicht schuldig. Eine Vertagung ist geplant.

Richter Erik Nauta zitierte eingangs die ermittelnden Polizisten, wonach die falsche Operation am 21. August 2012 eine "Schlamperei mehrerer beteiligter Personen" gewesen sei. Während derartige Ärztefehler meist mit einer Diversion enden, landete dieser Fall vor Gericht, weil der Ankläger von besonders gefährlichen Verhältnissen ausging. Staatsanwältin Katharina Doppelhofer war der Ansicht, dass sich die Erstangeklagte vor der OP nicht auf die Schmerzangaben ihrer Patentin hätte verlassen dürfen: "Das ist sicher auch ein strukturelles Problem, mit Personalmangel et cetera, aber das darf trotzdem nicht passieren." Die Anästhesistin sei nur "marginal" verantwortlich, denn sie hätte auf Divergenzen in den Krankenunterlagen hinweisen müssen.

Die 39-Jährige gestand, sich die sogenannte Fieberkurve der heute 84-Jährigen nicht angesehen zu haben, denn auf dieser wäre die tatsächlich gebrochene rechte Hüfte notiert gewesen. In den Pflegeberichten dagegen war durchgehend von einer Hüftfraktur an der linken Seite die Rede. Diverse Befunde und Unterlagen waren vor dem Eingriff noch nicht gesammelt in einer Akte: "Organisatorisch ein bisserl ein Chaos", stellte Richter Nauta fest. Die Chirurgin erklärte, sie habe sich vor allem auf die Angaben der Patientin verlassen: Sie habe sie vor der OP aufgesucht, informiert und klinisch untersucht. Dabei hatte die Pensionistin keine Schmerzen in der rechten Hüfte, auch bei Bewegung nicht.

Die Chirurgin habe bis kurz nach dem Einsetzen des Marknagels in die gesunde Hüfte keine Zweifel gehabt, dass sie das Richtige tue. Erst als ein Gehilfe in den OP-Saal kam und auf die unterschiedlichen Angaben in den Krankenberichten hinwies, fiel ihr der Fehler auf. Daher wurde direkt im Anschluss noch die tatsächlich gebrochene rechte Hüfte genagelt. Am Tag danach hatte die Unfallchirurgin eine Selbstanzeige erstattet: "Ich stehe zu meinem Fehler."

Nach der Befragung der beiden Angeklagten sowie einiger Operationsgehilfen ist die Vertagung der Verhandlung geplant. Am Donnerstag, 25. Juli, sollen weitere Zeugen aussagen und der Sachverständige seine Ergebnisse präsentieren.

apa.at

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