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APA-Artikel 12. Juli 2013

Abtreibungsärztin - Stellungnahmen in allen Fällen kritisch

Zu der in der Wiener Medizin-Szene bekannten und aktuell erneut "aufgetauchten" Allgemeinmedizinerin, in deren Praxis laut der Wiener Patientenanwältin Sigrid Pilz mehrere schwere Komplikationen nach Schwangerschaftsabbrüchen durch damit betraute Gynäkologen aufgetreten sind, gab es am Donnerstag mehrere Stellungnahmen. Allesamt kritisch, was die Sache betraf, allerdings verwehrte man sich auf Ärzteseite auch dagegen, aus dem Fall eine generelle Qualitätsdebatte bezüglich ärztlicher Versorgung zu machen. Es entstand - wieder einmal - eine Diskussion zwischen Ärztekammervertretern mit den von den Bundesländern installierten Patientenanwälten.

Als "bedauerlich" bezeichnete der Wiener Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres zunächst die Vorgangsweise der Wiener Patientenanwältin, Sigrid Pilz. "Wir arbeiten gerne und konstruktiv mit der Patientenanwaltschaft zusammen, aber ich würde mir wünschen, dass sie auch neue Vorwürfe direkt an uns kommuniziert und nicht nur über die Medien", stellte Szekeres fest. Die Wiener Ärztekammer hat erst vor kurzem durch die Bevölkerung einen Patientenombudsmann wählen lassen. Es wurde Franz Bittner, der ehemalige Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK).

Die Ärztekammer - so die Aussendung- habe mehrfach gemeinsam mit der Magistratsabteilung 40 die besagte Ordination überprüft. Es sei auch mehrfach zu Schließungen der Praxis aufgrund hygienischer Mängel gekommen. "Natürlich nehmen wir aber jedweden möglichen Behandlungsfehler, der an uns herangetragen wird, sehr ernst und sind bemüht, im Sinne der Patienten zu einer Lösung beizutragen", führte Szekeres aus. Das zeige auch, dass gegen besagte Ärztin bereits ein Verfahren wegen Aberkennung der Berufsberechtigung laufe. Außerdem habe man sofort nach Bekanntwerden der ersten Behandlungsfehler Anzeige erstattet.

"Wenn uns die Patientenanwältin die neuen Fälle und Akten zukommen lässt, werden wir diese selbstverständlich an die Staatsanwaltschaft weiterleiten, damit die Magistratsabteilung 40 die Ordination sofort schließen kann", sagte Szekeres. Jedoch könne man ohne entsprechende Unterlagen keine Schritte in die Wege leiten. Außerdem habe die Ärztekammer für Wien nicht die Berechtigung, bei Gefahr im Verzug Ordinationen zu schließen oder Berufsberechtigungen zu entziehen.

"Offenbar liegt hier ein Serienversagen von Ärztekammer, der Wiener Gesundheitsstadträtin und dem Gesundheitsministerium vor. Wenn es bei Frauen nach Schwangerschaftsabbrüchen zu tragischen Verletzungen gekommen ist und 16 Mal Frauen wegen Komplikationen mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht werden mussten, dann ist es skandalös, dass nicht rascher gehandelt wurde. Ich fordere eine lückenlose Aufarbeitung und Aufklärung", kritisierte in einer Aussendung Team Stronach-Gesundheitssprecherin Martina Schenk die Vorfälle in einer Wiener Abtreibungsordination.

BZÖ-Gesundheitssprecher Wolfgang Spadiut meinte in einer Aussendung, Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) könne "nicht den Unwissenden geben. Wenn die Ärztekammer hier seit Jahren anscheinend bewusst weggeschaut hat, dann hätte der Minister schon längst von sich aus tätig werden müssen." Es sollte eine unabhängige Untersuchungskommission eingesetzt werden. Außerdem werde es eine parlamentarische Anfrage an den Gesundheitsminister geben.

Der immer wieder erhobene Vorwurf, die Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin (ÖQMed) hätte die Behandlungsfehler beanstanden und dafür sorgen müssen, dass die Ordination geschlossen werde, sei sachlich nicht haltbar, meinte hingen der Präsident der Österreichischen Ärztekammer, Artur Wechselberger: "Die Aufgabe der ÖQMed ist es, standardisierte Qualitätskontrollen von Strukturen und Abläufen in Arztpraxen durchzuführen." Das werde laut Gesetz und gut durchgeführt.

apa.at

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