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APA-Artikel 11. Juli 2013

Ärzte und Qualitätssicherung: Vor allem Ausstattung - Prozessqualität

An sich existiert in Österreich mit Patientenanwaltschaften, Schadens- und Strafrecht sowie dem Berufsrecht der Ärzte eine Vielzahl von behördlichen/behördenähnlichen Einrichtungen und gesetzlichen Regelungen zur Aufklärung, Schadensabgeltung und zur Behebung von Mängeln in der ärztlichen bzw. medizinischen Versorgung. Mit dem Jahr 2006 wurde die österreichische Ärzteschaft von der damaligen Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) per Verordnung zur Qualitätssicherung verpflichtet. Dies bezieht sich aber vor allem auf Prozessqualität, Ausstattung der Ordinationen, Personalführung, Hygiene, Fortbildungsaktivitäten etc., nicht aber auf die medizinische Qualität im Einzelfall.

In den österreichischen Spitälern werden bereits mit A-IQI (Austrian Inpatient Quality Indicators) derzeit für bestimmte medizinische Leistungen Qualitätsparameter aus routinemäßig erhobenen Daten abgeleitet. Da geht zum Beispiel um Re-Operationsraten, Aufenthalt von Patienten in Intensivstationen nach Eingriffen etc. Vergleiche sollen auch auf mögliche Probleme in einzelnen Abteilungen hinweisen. In der niedergelassenen Praxis könnten ähnliche Systeme in den kommenden Jahren mit der geplanten Einführung einer codierten Leistungsdokumentation durch die Ärzte erfolgen. Aber auch da kann es nur um eventuelle statistische Vergleiche mit Hinweisen auf Positiva oder Defizite gehen.

Zur Qualitätssicherung wurde von der Österreichischen Ärztekammer die Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin (ÖQMed) gegründet und finanziert. Sie führt die regelmäßige Evaluation der Ordinationen durch. Dies erfolgt durch Ausfüllen von Evaluationsbögen (auch online) durch die Ärzte selbst. Tauchen Defizite auf, gibt es Mängelbehebungsaufträge. Per Zufallsgenerator werden auch - pro Durchlauf - nunmehr 6,7 Prozent der rund 20.000 Arztordinationen ausgesucht, um dort angekündigte Besuche durch Auditoren durchzuführen.

Zwischen 2006 bis 2011 unterzogen sich in Österreich mehr als 20.000 Ordinationen diesem Prozess. Die Auswertung dazu wurde von der ÖQMed vor kurzem veröffentlicht. Zumindest ein Mangel wurde bei 7,6 Prozent der Praxen festgestellt. Nach Bundesländern:

Burgenland: 6,86 Prozent

Kärnten: 7,43 Prozent

Niederösterreich: 7,07 Prozent

Oberösterreich: 8,17 Prozent

Salzburg: 9,34 Prozent

Steiermark: 6,77 Prozent

Tirol: 7,21 Prozent

Vorarlberg: 5,67 Prozent

Wien: 8,2 Prozent

2012 trat eine neue Version der Qualitätssicherungsverordnung für die niedergelassenen Ärzte in Kraft. Seither werden alle Ordinationen nach den neuen Kriterien geprüft. Der Evaluierungsprozess ist mehrstufig. Zunächst kommt die Selbstevaluierung (online oder per Papier). Wenn ein Qualitätskriterium nicht erfüllt wird, erhält der Arzt einen Mängelbehebungsauftrag, in dem er aufgefordert wird, den Mangel in seiner Ordination zu beheben und die Behebung nachzuweisen. Ordinationen, die mehrere Mängel aufweisen, werden von einem Auditor an Ort und Stelle überprüft.

Sobald die ÖQMed einem Ordinationsführenden einen Mängelbehebungsauftrag ausstellt, ist sie verpflichtet, dies auch seinen Kassenvertragspartnern mitzuteilen. Mussten im ersten Evaluierungszyklus die Ärzte bis zu vier Mal gemahnt werden, um der Aufforderung zur Selbstevaluierung nachzukommen, ist gemäß der neuen Verordnung nur noch eine einmalige Mahnung unter Setzung einer Nachfrist vorgesehen. Verstreicht die Nachfrist ungenutzt, wird ein Vor-Ort-Besuch angekündigt und durchgeführt.

Auch der Katalog der Kriterien wurde erhöht: Suchtmittelgebarung, die Arbeitsplatzsicherheit für Mitarbeiter, der Brandschutz werden jetzt abgefragt. Außerdem besteht explizite Dokumentationspflicht für gewisse qualitätsrelevante Aspekte: z. B. ein schriftlicher Hygieneplan, ein Notfallplan, die nachweisliche Übertragung der ärztlichen Verschwiegenheit auf Mitarbeiter und Auftragnehmer sowie die Dokumentation von Fehlern. Ein Fortbildungsdiplom oder der Nachweis über Fortbildung im Umfang des Diploms sind ebenfalls vorzuweisen.

Im zweiten, derzeit erfolgenden Durchlauf - seit Oktober 2012 - wurden laut der ÖQMed bereits wieder mehr als 3.700 Ordinationen zertifiziert. Fünf ordinationsführende Ärzte wurden beim Disziplinaranwalt der Österreichischen Ärztekammer angezeigt. Im ersten Zyklus waren es insgesamt 19 solcher Anzeigen gewesen.

apa.at

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