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APA-Artikel 5. Juli 2013

Linzer Medizin-Fakultät: Rektoren müssen noch überzeugt werden

Die Universitätenkonferenz (uniko) muss von der Sinnhaftigkeit der Errichtung einer Medizin-Fakultät an der Uni Linz noch überzeugt werden. Man gehe zwar "ergebnisoffen" in die Sitzung der Hochschulkonferenz am 10. Juli, so uniko-Präsident Heinrich Schmidinger am Donnerstag Abend vor Jorunalisten. Bisher habe man aber noch keine aussagekräftigen Unterlagen für eine Entscheidung erhalten, sondern nur "Überschriften und Zahlen, die nicht nachrechenbar sind".

Die aus Vertretern von Wissenschaftsministerium, Universitätenkonferenz, Fachhochschulkonferenz, Uni-Senaten, Wissenschaftsrat und HochschülerInnenschaft (ÖH) bestehende neunköpfige Hochschulkonferenz tagt am 10. Juli zum Thema Linzer Medizin-Fakultät. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) hat angekündigt, einer einstimmigen Empfehlung dieses Beratungsgremiums nachzukommen.

Am meisten irritiert hat Schmidinger bei der Diskussion um die Fakultät der bisherige Kommunikationsprozess. "Wir haben bis heute keine detaillierten Unterlagen bekommen, die wir beurteilen können - kein Finanzplan, kein Gesamtkonzept. Wir tun uns daher schwer, was zu sagen, weil uns einfach die seriösen Daten fehlen. Was wir bisher bekommen haben, sind nur Überschriften und Zahlen, die wir glauben können oder auch nicht."

Überhaupt sei es "ganz schwierig, eine Argumentation zu führen, wenn die Begründung für die Schaffung einer Fakultät fragwürdig ist", so Schmidinger. Der als Begründung angeführte Ärztemangel ist für ihn "schwer hinterfragbar". "Es gibt keinen Ärztemangel und wir glauben auch nicht, dass dieser - wenn es ihn gäbe - durch eine Medizin-Fakultät behebbar ist", so Schmidinger. "Man löst weder den Mangel an Landärzten noch die Abwanderung von Medizinern ins Ausland mit einer Medizin-Fakultät. Das löst man mit einer Turnus-Reform und durch bessere Bezahlung." Er sei auch "todsicher, dass die EU das Moratorium (im Verfahren über die Mediziner-Quote, Anm.) mindestens neu diskutieren will, wenn nicht ganz aufmacht."

Die Hochschulkonferenz werde sich nicht zeitlich unter Druck setzen lassen, kündigte Schmidinger an. Sollte sich herausstellen, dass eine sachgemäße Beurteilung nicht möglich sei, müsse es eine weitere Hochschulkonferenz geben. Wenn alle Konferenz-Teilnehmer dieser Meinung seien, könne er sich nicht vorstellen, dass sich Töchterle darüber hinwegsetze. "Wenn wir overruled werden, werden wir das nicht einfach schlucken. Da ist dann schon die Frage, was sollen Gremien wie eine Hochschulkonferenz oder die uniko."

Die Entscheidung zur Medizin-Fakultät sieht Schmidinger als "Nagelprobe für den Stellenwert der Hochschulkonferenz". Dabei werde es nicht nur um finanzielle Fragen gehen, sondern auch um inhaltliche, etwa zur Forschung. Letztlich ist sich Schmidinger aber im Klaren, dass es im Endeffekt auf eine "politische, eine wahlpolitische Entscheidung" hinauslaufe.

Generell hält es Schmidinger für "sehr bemerkenswert, was gerade läuft": "Wenn ich mir anschaue, wie viele Mitglieder der Regierung sich für das Projekt einsetzen, würde ich es mir auch für andere Unis wünschen, dass sich die ganze Regierung einmal dafür einsetzt." Hier sehe er - Töchterle ausgenommen - "wesentlich weniger Einsatzbereitschaft". Wenn Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) plötzlich Rücklagen für die Linzer Fakultät auflöse, frage er sich schon, woher diese eigentlich kämen. "Wenn wir Forderungen oder berechtigte Wünsche hatten, ist das immer abgewehrt worden."

"Noch irritierender" sei es, wenn das Finanzrahmenkonzept des Bundes für Wissenschaft und Forschung für 2017 nicht nur keine Erhöhungen aufgrund der allgemeinen Preissteigerungen und der Gehaltserhöhungen vorsehe, sondern sogar eine Kürzung, so Schmidinger: "Das ist zumindest ein fragwürdiges Signal."

Lob für das Land Oberösterreich gab es von Schmidinger für die finanziellen Anstrengungen für die Fakultät. Zwar werde diese a la longue vom Bund übernommen: "Was bis dorthin aber geleistet wird, ist schon beachtlich."

apa.at

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