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APA-Artikel 4. Juli 2013

"Nationale Suchtpräventionsstrategie" - Expertenpapier ausgearbeitet

Wenn es nach Plan geht, dann könnte bis zum kommenden Herbst ein "nationale Suchtpräventionsstrategie" in Österreich entstehen. Ein 64-seitiges Basispapier auf Grundlage des Inputs von hundert Fachleuten aus allen Bereichen wurde Donnerstagnachmittag im Gesundheitsministerium präsentiert. Es reicht von primärer Prävention bis zur Schadensminimierung, von Alkohol, Tabak, illegalen und legalen Substanzen bis hin zur Verhaltenssüchten (z.B. Kaufsucht).

"Die Ausarbeitung einer nationalen Suchtpräventionsstrategie ist auf Aufgabe des Gesundheitsministeriums. (...) Man muss die Fachwelt einbeziehen. Dies waren hundert Experten aus den Bereichen Suchtprävention, Suchthilfe, auch Experte für den Sicherheitsaspekt", sagte Bundesdrogenkoordinatorin Johanna Schopper. In der jüngeren Vergangenheit hatte besonders Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) eine Diskussion über die Substitutionstherapie von Opiatabhängigen losgetreten. An der "Delphi-Studie" zur Aufarbeitung des gesamten Bereichs nahmen auch Vertreter der österreichischen Exekutive teil.

Projektleiter Alfred Uhl vom Anton Proksch Institut: "Sucht wird als chronische, rezidivierende (immer wieder auftauchende Symptome, Anm.) psychiatrische Erkrankung gesehen. Sie ist eine sekundäre Erkrankung zu anderen psychischen Störungen. Es geht um die Behandlung der Sucht, nicht um die Bekämpfung der Süchtigen. Es geht um Schadensminimierung."

Insgesamt wird in dem Papier Abhängigkeit als multifaktorieller Prozess gesehen, bei dem sich die Betroffenen unterschiedlichster Mittel bedienen: Tabak, Alkohol, legale und illegale Drogen, synthetische Substanzen aber auch Verhaltensstörungen mit Suchtcharakter wie Glücksspiel- und Kaufsucht."

Bei den Substanz gebundenen Varianten der Abhängigkeit, hat sich in den vergangenen Jahren ein wesentlicher Wandel eingestellt. Wolfgang Preinsperger, Leiter der Abteilung für die Behandlung der Abhängigkeit von illegalen Substanzen des Anton Proksch Instituts: "Wir haben eine Entwicklung vom Schwerpunkt der Behandlung in stationären Einrichtungen und mit dem ausschließlichen Ziel der Abstinenz weg zu ambulanten Einrichtungen und einem ganzen Spektrum von Behandlungszielen." Hier steht die Schadensminimierung, bei Opiatabhängigen beispielsweise durch die Substitutionstherapie, immer mehr im Mittelpunkt.

Die Bedeutung des Prinzips der Substitutionstherapie wird in dem Basispapier einhellig hervorgehoben. Dazu kommt der Schwerpunkt, dass Menschen - vor allem Jugendliche - die Kompetenz erlangen sollen, mit psychotrop wirkenden Substanzen kompetent umzugehen. Verteufelung ist hier fehl am Platz. Und, so Preinsperger: "Bei Kaufsucht ist eine völlige Abstinenz als Behandlungsziel gar nicht möglich."

apa.at

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