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APA-Artikel 28. Juni 2013

OECD-Daten zeigen: Warnungen vor Gesundheitskosten-Explosion sind Panikmache

"Offensichtlich waren die ständigen Warnungen österreichischer Gesundheitspolitiker vor angeblich explodierenden Gesundheitsausgaben nichts als Panikmache, um Einschnitte im Gesundheitssystem zu rechtfertigen." So kommentiert Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie Niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), die nun veröffentlichten OECD-Gesundheitsdaten 2013.

Demnach stiegen die Gesundheitsausgaben in Österreich in den Jahren 2000 bis 2009 nur um jährlich durchschnittlich 2,7 Prozent - im Durchschnitt der OECD-Staaten waren es immerhin 4,8 Prozent. In den Jahren 2009 bis 2011 wuchsen die Gesundheitsausgaben in Österreich nur noch um 0,5 Prozent, in Deutschland immerhin um 1,7 Prozent. Steinhart: "Diese Vergleiche zeigen, dass die österreichische Politik bei der Gesundheit im Vergleich der OECD-Länder schon lange massiv auf der Kostenbremse steht."

Das Problem dabei, so Steinhart: "Die bescheidenen Zuwächse bei den Gesundheitskosten von jährlich 0,5 Prozent fallen in eine Zeit, in der die österreichische Bevölkerung wächst, die Menschen immer älter werden und die Wirtschaftskrise zu zusätzlichen gesundheitlichen Belastungen führt." Diesem steigenden Bedarf stehe aber kein entsprechend wachsendes Angebot gegenüber, so Steinhart: "Im Gegenteil - wenn durch die so genannte 'Gesundheitsreform' der politischen Entscheidungsträger in Zukunft die Gesundheitsausgaben an das Wirtschaftswachstum gebunden werden, dann würde das für 2013 eine Ausgabensteigerung von nur 0,3 Prozent bedeuten. Damit ist der Weg in eine drohende Mangelverwaltung vorgezeichnet." Zum Vergleich: Die Inflationsprognose der Österreichischen Nationalbank liegt für 2013 bei zwei Prozent.

Investieren in die Gesundheit sichert Wachstum

Leider, so Steinhart, begehe die Politik immer wieder den Denkfehler, Gesundheitsausgaben nicht als sinnvolle Investitionen, sondern ausschließlich als Kostenfaktor mit Einsparpotenzial zu sehen: "Investitionen in das Gesundheitssystem sind nicht nur gut für die Gesundheit der Menschen und eine hochwertige medizinische Versorgung, sondern für die Volkswirtschaft allgemein. Der Gesundheitssektor ist schließlich ein wichtiger Wirtschaftsmotor. Hier sind mehr als zehn Prozent aller Beschäftigten tätig, und über Steuern und Abgaben trägt das Gesundheitswesen etwa zehn Prozent zu den Staatseinnahmen bei." Dieses Potenzial dürfe nicht durch einseitiges Sparen gefährdet werden.

In den laufenden Verhandlungen zur Umsetzung der Gesundheitsreform in den Bundesländern werde die Ärztekammer jedenfalls sehr genau beobachten, wie sich die dort getroffenen Entscheidungen auf die Versorgung der Patienten auswirken, so Steinhart: "Vor Rationierungen und Leistungseinschränkungen muss früh und deutlich genug gewarnt werden."

apa.at

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