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APA-Artikel 28. Juni 2013

Pensionist schwärzte steirische Ärztekammer-Spitzen an - Diversion

Angebliche hohe Provisionszahlungen sorgten Ende 2012 in der steirischen Ärztekammer für Turbulenzen. Kammer- und Finanzdirektor sowie eine Angestellte wurden von ihren Positionen abgezogen, die Staatsanwaltschaft ermittelte - und fand nichts. Jener pensionierte Ingenieur, der hinter den Verdächtigungen stand, musste sich am Freitag in Graz wegen Verleumdung vor Gericht verantworten. Es kam mit einer Diversion davon.

Der Angeklagte hatte im Oktober vergangenen Jahres über einen Freund aus einem Wohltätigkeitsklub Spitzen der Ärztekammer zu einem Treffen ins sein Büro eingeladen. Ihnen offerierte er nicht nur Whiskey, sondern auch Informationen, die er einige Zeit vorher auf einem Golfplatz von Unbekannten aufgeschnappt haben will. "Sie haben sich lautstark unterhalten", so der 71-Jährige auf Befragung von Richter Karl Buchgraber Inhalt: Alt-Funktionäre und Angestellte der Ärztekammer hätten in einem Anlagegeschäft ungerechtfertigt hohe Provisionen bezogen.

Der neue Vorstand reagierte sofort, übermittelte der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung und zog die involvierten Personen für die Zeit der Ermittlungen aus ihren Positionen ab. Medien rochen Lunte und berichteten von einem "Millionen-Krimi". Rundherum rankten sich Gerüchte, dass zwischen neuer und alter Kammerführung "die Hackeln" flögen, auch eine politische Intrige wurde vermutet.

Vor Gericht stellte der Pensionist und sein Anwalt das Treffen, in dem es zunächst eigentlich um den Erhalt der Selbstständigkeit des LKH Graz-West gegangen sei, als "Schwadronieren" und "Wichtigmachen" unter dem Siegel der Vertraulichkeit dar. Dass das Gespräch von einem der Teilnehmer aufgezeichnet wurde, wertete der Anwalt als "unanständig".

Richter Buchgraber versuchte den Angeklagten zu einem Geständnis zu bewegen, um auf Diversion entscheiden zu können. So kam der 71-Jährige mit 6.000 Euro plus rund 9.000 Euro als Abgeltung der Kosten für die Kläger davon, zahlbar in Raten. Von seiner Nachfrage "Ist das nicht ein bisserl viel?" wurde nicht mehr Notiz genommen, wie auch die Frage offen blieb, was einen pensionierten Ingenieur, der die Ärztekammer-Chefs nur aus dem Fernsehen gekannt haben will, wirklich zu dem folgenschweren Schwadronieren bewogen hat.

apa.at

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